Eine Reise durch's goldene Land
walking Monk
Mo 07.02. Ngapali, die Ankunft
 

Entschuldigung, aber in diesem Land gibt es kaum eine Gelegenheit etwas länger zu schlafen. Entweder wecken singende Mönche, eine Seerundfahrt, eine anstehende Trekking Tour, eine Bootsfahrt, ein Ausflug mit dem Taxi, eine Wanderung, eine Ballonfahrt, etliche Sonnenaufgänge oder so wie heute ein simpler Weiterflug zum Strand.
Ngapali heißt also das neue Ziel. Thandwe der zugehörige Flughafen. Man sollte sich beim Reiseleiter beschweren.
Wir krabbeln also bereits um 06:00 Uhr aus den Federn. Das Hotel bietet in solchen Unglücksfällen ein Frühstück in der Halle. Egal – Hauptsache ein Kaffee und ein Toast mit Erdbeermarmelade. Weiter wird nicht darüber nachgedacht. Stockfinster ist es noch und kühl. Der Taxifahrer gähnt inzwischen vor der Rezeption. Schnell wird das Gepäck verstaut. Der Kofferraum ist wie üblich viel zu klein, aber unsere Fotorucksäcke hätten wir eh nicht aus der Hand gegeben.

Nach einigen Kilometern, ich sitze wie immer vorne, bin schon an die hektischen Manöver angepasst, macht es irgendwie den Anschein ….. der Fahrer hat den Weg zum Flughafen vergessen. Er fährt unsinnige Schleifen. Schaut fragend in der Gegend herum und sucht irgendetwas. Ob er in seiner Karriere schon mal Gäste zum Flughafen gebracht hat. So wie er sich anstellt. Wir bezweifeln es. Touristen sind oft zu pessimistisch. Aber alles wird gut.
Ein vereinsamter Schalter fordert zum Abstellen der Gepäckstücke auf. Wir erhalten die Boardingkarten und die Taschen einen modernen SNW Label. Träger schnappen sich die ganzen Gepäckstücke und befördern sie etwa 5 Meter weiter. Dann ist Pause. Sicherheitskontrolle. Eine lange Schlange vor uns und auf einmal eine große Gruppe hinter uns. Reisende der gefürchtetsten Airline der Welt – Yangon Airways – trudelt ein. Zumindest deren Service scheint ein wenig Bevorzugung zu beinhalten. Sie marschieren einfach an uns vorbei. Aber wir sind schlaue Touristen und mischen uns einfach drunter. Schließlich benötigen wir nur eine weiter Boradingkartenkontrolle oder so was um in den Warteraum zu dürfen. Der Stempel auf die Boardingkarte ist schnell erteilt. Ohne nachzufragen, ohne Passkontrolle oder Passagiercheck, einfach ein wichtiger Stempel drauf. Gut dass wir uns angestellt haben, sonst hätten wir den Stempel nicht bekommen.
Das mittlerweile zu einem Röntgengerät beförderte Gepäck immer im Augenwinkel sind wir in der Abflughalle angelangt. Es herrscht überall geschäftiges Treiben. Etwa 3 bis 4 Abflüge sind angesagt. Wer wann drankommt und wessen Koffer zu welchem Flieger getragen werden ist da schon nicht mehr so genau zu erkennen. Wir behalten unsere Dinge im Auge. Alles wird in das Röntgenmonster gesteckt und darf danach wieder rasten. Wir passen auf. Die verschiedenen Koffertürme werden immer größer. Ob unsere Taschen je auf dem richtigen Haufen landen – sie landen.
Jetzt könnte man sich mal erkundigen, wann wir dran sind. Anzeige gibt es natürlich keine. Hmm wie soll das bei so viel Reisewilligen klappen, dass jeder seinen Flieger findet. Mitten im Wirrwarr wird eine Tafel von Air Mandalay hochgehalten. Mit Flugnummer 402 wollen wir nicht mit. Die Taschen wandern zum nächsten Haufen weiter. Der nächste Flug ist dran und als die lieben Gäste auf dem Weg zum Flieger sind werden unsere Taschen durchs Fenster gereicht. Zuerst, wie könnte es anders sein auf einen eigenen Haufen, dann auf einen Karren und nach dem nächsten Aufruf sind wir auch schon dran. Die Abflughalle ist fast leer, wir sind die Letzten. Eigentlich eine gut improvisierte Organisation. Alles klappt bestens. Kein Zwischenfall und das immer im Focus behaltene Gepäck wird immer richtig weitergestapelt. Jeder findet trotz freier Platzwahl einen passenden Sitz. Pünktlich auch der Abflug und genauso pünktlich nach 40 Flugminuten die Zwischenlandung in Heho. 20 Minuten wird dann pausiert. Aussteigen nicht verboten. Komisch unser Gepäck ist das einzigen, dass im Netz neben dem WC untergebracht ist. Hauptsache es fliegt mit. Für was war eigentlich der Stempel. Egal wir landen um 10:30 Uhr in Thandwe. Flug MT462 mit einer ATR 72-210 war ein weiteres Erlebnis der Marke Reisen in Myanmar. Wir freuen uns schon auf den Strand. Endlich mal ausschlafen und faulenzen.
Den winzigen Flughafen müssen wir nach der Kontrolle am Imigration Counter schnell verlassen. Das Reisegepäck bekommen wir beim großen Tor vor dem Flughafen im Freien. Wie wird das in der Regenzeit gehandhabt. Egal für uns scheint die Sonne. Ein wenig dauert es zwar, aber auch hier klappt alles perfekt.
Der Shuttle Bus wartet auch schon. Lynn Thar Oo Lodge steht drauf. Wir sind die einzigen Gäste zur Lodge und machen es uns im hinteren Teil gemütlich. Schaut gar nicht aus wie ein Bus. Gleicht eher einem Hippiefahrzeug mit Couchtisch und Sitzgarnitur. Jedenfalls sehr gemütlich. 20 Minuten Gehoppel auf den typischen Straßen und wir sind in der Lodge.
Leider stehen wir jetzt vor einem Problem. Als Techniker würde ich es als Deadlock bezeichnen.
Christian und ich besichtigen das erste Zimmer, eigentlich einen Bungalow. Toll – Teakholzinterieur, Fernseher, Kühlschrank, Klimaanlage schönes Bad, Veranda und davor sogar ein kleiner Fischteich. Noch dazu direkt am Strand. Ich brauch die anderen gar nicht mehr anschauen, den sollten wir gleich nehmen. Christian schluckt. Er hat sich an das landesübliche Preisniveau gewöhnt. 50 U$ pro Tag für den Bungalow sind ihm zu teuer. Schade, aber wir wollen gemeinsam entscheiden und auch Walter mit einbeziehen. Dafür schauen wir uns noch die angebotenen Alternativen an. Der nächste Bungalow ist zwar Seafront, aber kleiner und schon etwas abgewohnt. Nicht unser Fall. Wir auch gleich abgehakt. Der nächste ist aus Stein und etwas seitlich zum Strand, hat ein Kingsize Bett und eine kleine Veranda. Auch OK und auch etwas billiger. Ich denke so um die 38 U$, aber der erste war schon perfekt.
Jetzt zur Entscheidung. Kingsize Bett ist toll wenn man verliebt ist, aber für unsere Situation nicht geeignet. Der billige Bungalow war zu billig und der teure Bungalow zu teuer. Hmm ich hab mich deklariert. Walter tendiert eher zum teuren aber eigentlich ist’s ihm wurscht und Christian grübelt.
Nächste Besichtigungsrunde. Walter schaut sich alles an und es ist ihm weiterhin wurscht. Die Damen an der Rezeption werden langsam ungeduldig. Murmeln auch so was wie: wenn wir uns nicht schnell entscheiden, dann ist der tolle Bungalow vergeben. Das war die Zündende Idee, gekauft. Schuld bin natürlich ich und darf auf der bereitgestellten Hilfsschlafstelle aus Holz mit 5cm Schaumstoffmatte schlafen. Das nimm ich gern auf mich. Komisch, dass die Bettenverteilung so schnell ging.

Jetzt also mal die Umgebung erkunden. Wer hat bloß die Palmen vor den Bungalows aufgestellt. Die nehmen einem ja glatt die Sicht auf’s Meer.
Geschätzte 28 ° Celsius hat das Wasser. Der Blick den fast endlosen Sandstrand entlang, in beide Richtungen – genial. Weißer Sand, türkise Brandung, herrliche Palmen, strahlend blauer Himmel und nur vereinzelt ein Paar Langnasen. Nach dieser kurzen Erfrischung wird die Behauptung überprüft, dass Bier gegen Sonnenbrand hilft. Es hilft. Im Schatten des Restaurants kann man den ganzen Nachmittag gefahrlos verbringen. Auch der Blick von der Veranda, der Sonne entgegen bleibt eine einprägsame Erinnerung.

Ein Spaziergang den Strand entlang um die Gegend zu erkunden bringt mich in einen kleinen Mangrovenwald. Ich kämpfe mich durch bis zur Hauptstraße und gehe gemütlich zurück. Etliche Fischlokale laden zum Abendessen. Überall wird Lobster angeboten. Aber auch sonst warten viele Fischspezialitäten auf Abnehmer. Das Abendprogramm ist fixiert

Wir nehmen das Best Friend. Aber auch die anderen Lokale sind bestimmt ausgezeichnet. 1000 Kyat werden für einen red Snapper veranschlagt. Einige Pina Coladas und Biere später sind wir die letzten Gäste. Ist ja auch schon 21:00 Uhr. Die Armen Kellner müssen noch bis 23:00 Uhr aushalten und denken sich ganz sicher – „Diese Ausländer“!

Ein weiteres WC Erlebnis gefällig. Auf dem Weg dorthin muß ich zwar nicht durch die Küche, aber fast durch das Schlafzimmer der Besitzer. Eine Bambuswand versperrt zwar den direkten Blick auf den schlammigen Garten hinter dem Lokal wo eine offene Schlafhütte auf Stelzen steht, aber das ist auch der einzige Schutz der Bewohner. Der Generator dieselt mit Höllenlärm direkt neben den Schlafenden und ist auch für das grelle Licht in der offenen Hütte verantwortlich. Die dort liegenden älteren Leuten scheint es nicht zu kümmern. Auch nicht dass immer wieder Pinkelige vorbei müssen. Das schiefe Örtchen steht nur mehr aus Gewohnheit aufrecht. Die Türe könnte man zwar schließen, dann würde man aber nicht mehr sehen was man anrichtet. Das angeboten Wasser und die Seife zum Hände waschen und den kleinen Schöpfkübel lass ich lieber in Frieden. Auch der Gedanke wo alles hinfliest wird nicht weitergesponnen.

Daten zum Tag:
Taxi zum Flughafen: 3500 Kyat
Flug Nyaung U – Thandwe mit Air Mandalay: 121 U$
Bungalow in der Lynn Thar Oo Lodge: 50 U$ incl. Frühstück (3 Personen)
Red Snapper im „Best Friend“ um 1 U$

 

 
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