Eine Reise durch's goldene Land
Indein
Sa 05.02. 2005 Ballonfahrt über Bagan
 

05:45 Uhr. 20 Minuten später als gestern, aber immer noch unerträglich früh. Heute steht die
Ballonfahrt am Programm. Christian war’s leider zu teuer und Walter hat sich nicht
entscheiden können mitzumachen. Aber ich hab soviel über die Ballonfahrt im Myanmar
Forum gelesen, dass ich den Preis riskiere. Ich denke auch, dass ich so schnell nicht mehr
nach Bagan kommen werde um die Ballonfahrt nachzuholen. Also los. Ein letztes Mal die
Grundeinstellungen der Kamera kontrolliert damit nichts schiefgehen kann.
Walter hat sich bereit erklärt Fotos beim Start und von der Landung zu machen. Das muss ich
ihm hoch anrechnen, denn die Alternative für ihn wäre lang ausschlafen und danach ein
gemütliches Frühstück im Garten des Panorama Hotels gewesen. Aber so werfen wir uns in
unsere Klamotten. Es ist noch recht kühl und die Vlies-Jacken notwendig. Ein offener Pickup
holt uns um Punkt 06:00 Uhr vom Hotel ab und bringt uns hinter die Shwezigone Pagode auf
einen großen Platz. 3 Ballone werden für den Start vorbereitet. Alles schaut sehr professionell
aus. Ich werde aufgerufen und einem Ballonkapitän zugeteilt. Es gibt ein schnelles Frühstück.
Kaffee, Tee, Kipferln und Schnecken mit Pfirsich. Mal was ganz anderes.
Danach gibt es die Sicherheitsinstruktionen in Form einer abgespeckten Morgengymnastik.
Die älteren Fahrgäste sollen geschmeidig gemacht werden, damit sie bei der Landung nicht
aufpeppeln. Weiters ist es verboten an Knöpfen zu drehen, an Leinen zu ziehen oder aus dem
Korb zu springen. Aha!
Inzwischen sind die Hüllen der Ballone mit Ventilatoren aufgepumpt worden und bereit für
die ersten Heißluftströme aus den Brennern. Noch liegen sie gemächlich am Boden, aber bald
ziehen sie schon in die Höhe. Wir dürfen in die Gefährte einsteigen. Ein wenig Spannung
kommt schon auf, deshalb schau ich mir noch mal die Einstellungen meiner Kamera an. OK
alles so wie es sein soll. 8 Fahrgäste können pro Ballon zusteigen und der Chef hat ein
eigenes Abteil in der Mitte des Ballons. Mit mir im Abteil ist ein Burmese vom Inle See. Ein
Guide, wie er mir erzählt. Aber viel Zeit für Unterhaltung bleibt während der wunderbaren
Fahrt nicht.
Sachte und behäbig steigt der Ballon höher. Immer wieder heizt der Fahrer nach und
verständigt sich mit den 2 anderen Ballonfahrern. Langsam erreichen wir die Wipfel der
Palmen und sehen … noch nicht viel, denn es dämmert erst. Das Pagodenfeld taucht
schemenhaft auf. Aber dann beginnt ein tolles Schauspiel. Der rote Ball schiebt sich über den
Horizont. Wird immer größer und beleuchtet die Stupas im Nebel. Die Spitzen der Zedis
reichen gerade ein wenig aus der Nebeldecke und werfen einen flachen Schatten in die
milchige Umgebung. Phantastischer Ausblick. Wir haben das ganze gestern im Morgennebel
von der Mingalazedi gesehen, aber aus dieser Höhe wirkt das schon anders. Die Sonne hebt
sich langsam höher, beleuchtet die Gebäude immer noch sehr frontal und die werfen einen
langen Schatten in die Landschaft. Für einen Hobbyfotografen wie mich ein spektakuläres
Schauspiel. Aber was ist das? Warum zeigt der Belichtungsmesser im Sucher immer 250/6,7,
da stimmt doch was nicht. Stimmt, ich habe wohl beim reinklettern in den Korb an einem der
vielen Knöpfe gedreht. Na supa. Meine Stimmung ist kurzfristig auf Null. Soll ich gleich
rausspringen. Nein das ist ja verboten.
Ich hab’s ja noch fast rechtzeitig entdeckt, aber die Nebel-von-oben-Dias sind wohl hin.
(Denkste, sie wurden toll, aber das hab ich erst zu Hause gesehen).
Den ersten Teil der Fahrt sind wir von der Shwezigone Pagode entlang des Irrawady zum
Ananda Tempel gefahren. Knapp über den Palmen. So knapp, daß wir einige berührt haben.
Jetzt geht es ein wenig höher und wir ändern die Richtung landeinwärts. Direkt auf das große
Feld mit den unzähligen Pagoden. Vorbei am Ananda Tempel und der großen Shwesandaw.
Das sind die, die ich schon ganz gut wieder erkenne. Bin schon ein kleiner Bagan Experte.
Den Rest der Fahrt bekommen wir mit, daß an einem der andere Gefährte eine Leine gerissen
ist und das Ding nicht mehr so manövrierfähig ist. Der Landeplatz wird vereinbart. Die
LKW’s dorthin dirigiert und der 3te Ballon seinem Schicksal überlassen. Er ist auch schon
ziemlich weit abgedriftet. Aber keine Gefahr. Er schafft nur den ausgemachten Landeplatz
nicht. Auf einem Acker wird aufgesetzt. Die Kameras mussten schon lange verstaut werden.
Der Blick gegen die Fahrtrichtung gerichtet und eine Schranzhocke eingenommen werden. In
dieser ungemütlichen Haltung warten alle auf ein unsanftes Aufsetzen. Und dann landet der
Ballon butterweich. Die vielen Helferleins ziehen an Leinen und halten den widerwilligen
Ballon am Boden fest. Solange bis er aufgegeben hat nach oben zu ziehen. Dann ist es sicher
für uns auszusteigen. Das tun wir auch.
Rund um den Landeplatz haben sich mittlerweile viele Einheimische versammelt und würden
gerne Postkarten verkaufen. Das wird aber durch eine Schnur verhindert die die Gesellschaft
vor den Verkäufern trennen soll. Das nun folgende Champagnertrinken passt nicht wirklich
zu diesem Ambiente. Ist aber ein weltweites Ballonfahrerritual. Champagnertaufe oder so.
Dann wird noch eine Urkunde verteilt und zurück geht die Reise ins Hotel.
Die Ballonfahrt hat etwa 45 Minuten gedauert und ist wie im Flug vergangen – nona.
Walter hat seinen Fotografenjob zur vollsten Zufriedenheit erledigt und auch so seine
Erlebnisse mitgenommen. Der erste Transporter war mit einem burmesischen Fahrer besetzt,
der das Fahrzeug nicht wirklich im Griff gehabt hat. Betrunken, deswegen Fahrerwechsel,
dann Getriebeschaden, deswegen LKW-wechsel. Dann haben sie’s aber doch geschafft.
Die Heimfahrt in der schnell herbeigeschafften Rumpelkiste war problemlos.

Zurück im Hotel genießen wir wieder das Frühstück im Garten und überlegen kurz was die
nächsten Programmpunkte sein sollten. Keiner hat so recht Lust auf Buddhas und Pagoden.
Deshalb treten wir mit unseren chinesischen Eseln nach Nyaung U, suchen einen berühmten
Coffe Shop auf und genehmigen uns eine Capucino. Nicht ganz original, aber nicht schlecht.
Dazu einen frisch gepressten Orangensaft. Ausgezeichnet.

Christian zieht einen ruhigen Vormittag am Pool vor. Walter und ich wollen den Wärter bei
der Shwezigone Pagode ärgern. Die 10 Kyat mit einem 1000er bezahlen. Aber das gelingt uns
überhaupt nicht. Schon von weitem begrüßt er uns lächelnd und mit einem Schulterklopfen,
gibt uns die Hand und führt uns Richtung Walkway mit den vielen Verkaufsständen. Auch
gut. Unser Vorhaben dort einige der Lackwaren zu kaufen gelingt hingegen schon besser. Wir
verhandeln einige Zeit mit den Verkäuferinnen und treten mit guter Beute den Rückzug an.
Insgesamt 3 Untersetzersets aus Lackware.

Jetzt ruft aber der Pool vom Panoramahotel. Das kann auch das schnelle Bier auf dem
Heimweg nicht verhindern. Bis 16:00 Uhr wird gefaulenzt.

Dann aber sind alle wieder voll Tatendrang. Die Nachmittagspagodenbesichtigungstour steht
an. Als erstes wollen wir den Ananda Tempel von innen sehen, da gibt es eine Besonderheit.
Wie ein Reiseleiter erzähle ich von den der großen Buddhastatue im Tempel, die beim näher
kommen immer strenger schaut. Das könnte interessant sein. Also nix wie rein. Das übliche
Zeremoniell mit Schuhe ausziehen und drauf aufpassen lassen müssen gibt es auch hier.
Drinnen stehen wir vor einem großen Buddha. Da braucht man aber eine ganz gute Phantasie
um den Effekt: netter Buddha strenger Buddha ausmachen zu können. OK, war wohl nix.
Dann drehen wir also einen schnelle Runde im inneren des kreuzförmigen Tempels und …
was ist das? Noch eine große Buddhastaue am süglichen Flügel. Aha, na dann ein neuer
Versuch. Aber auch der schaut immer gleich drein. Sollte es noch so eine große Statue hier
drin geben. Natürlich und der Buddha am westlichen Eingang ist der Gesuchte. Er zieht ein
ziemliches Schnoferl, als wir ihm zu nahe kommen. Ein nettes Detail für meinen Diavortrag.
Also weiter. Wieder rein in die Schuhe und rauf auf die Räder. Die staubige Sandstraßen
zurück zur Hauptstraße und zum Ufer des Irrawady. Walter und Christian haben dort ein
nächstes Ziel im Loose nachgelesen. Der Sonnenuntergang soll von dort schön ausschauen.
Wir haben zwar schon einige der Postkartenidyllen fotografiert, aber man kann sich ja auch
mal so einfach hinsetzen und genießen und das Stativ mal Stativ sein lassen. Äh Stativ, wo ist
denn mein Stativ hin. Das liegt beim Ananda Tempel bei den Schuhständern. Das brauch ich
aber noch. Verflixt, das seh ich bestimmt nie wieder. Weil der ausgesuchte Platz am Irrawady
aber doch nicht so zufrieden stellend war machen wir hektisch einen Treffpunkt zum Sunset
aus. Bei der Mingalazedi! Bis gleich, muß mich sputen, vielleicht
Ganz außer Atem komme ich beim Ananda Tempel an. Und eigentlich hätte ich mir das
Rasen mit dem chinesischen Bike sparen können. Viel gemütlicher wäre gesünder gewesen
und hätte auch meine Nerven geschont. Da liegt das Stativ mitten am Weg. In Myanmar
kommt wirklich nichts weg. Erstaunlich!

Christian und Walter sind beim Sunset nicht am ausgemachten Platz. Sie haben sich für eine
Pagode mit besserem Ausblick entschieden. Ich setze mich jetzt wieder vollkommen
entspannt auf die Plattform und genieße die Ruhe auf der Pagode und den schönen Ausblick
direkt zum Irrawady. Ein kleines Pferdegespann zieht in den Dünen des Flusses dahin und
verbreitet eine große Staubwolke. Dann versinkt die Sonne am Horizont und nachdem ich
meine 7 Sachen wieder umgeschnallt habe, kommt mir Walter auch schon entgegen.
Auf dem Heimweg wollen wir noch ein kühler Bier. Gar nicht so einfach in old Bagan. Viele
Restaurants dürfen oder wollen kein Bier ausschenken. Ich nehme mal an, daß es für die
Einheimischen auch zu teuer ist. Und Touristen sind kaum auszumachen. verziehen sich um
diese Zeit auch eher in ihre Hotels. Aber wir geben nicht auf und nach einigen Versuchen
gelingt es doch. Das Shanghai hat Bier. Cold Bier – ausgezeichnet. Christian hat schon
gehofft früher ins Hotel zu kommen und ist zusätzlich begeistert, da es kein Sprite gibt und
das Ambiente sagt ihm auch nicht zu. Die Plastiksessel haben schon Patina und einen
ordentlichen Staubbelag. Das sollte aber nach der bisherigen Reisedauer kein Problem mehr
sein. Aber da muß er durch. Im Lokal sitzen viele Frauen. Viele der Frauen lächeln uns zu.
Kommen immer näher und gruppieren sich an den Nachbartischen. Naja wo wir da wieder
reingeraten sind. Dann kommt die Chefin des Hauses auch noch mit einem Anliegen.
Ziemlich sauer vermittelt sie uns, daß wir das Bier keinesfalls aus der Flasche trinken dürfen.
Wir haben aber vorher die Gläser begutachtet und uns für diese Trinkvariante entschieden. Na
gut, dann füllen wir den Inhalt ins Glas. Wieder was gelernt. Die Damen lächeln unverblümt
weiter und so beenden wir diesen Besuch in einem burmesischen Etablissement schnell. Wir
hätten nicht erwartet, daß es hier so was gibt. Schon gar nicht in Bagan wo die Gehsteige ab
21:00 Uhr hochgeklappt werden.
Die Stirnlampe versieht wiederum gute Dienste. Bei der Heimfahrt ist es stockdunkel. Die
Fahrzeuge auf der Hauptstraße sind kaum beleuchtet und man gibt schon besonders Acht,
wenn von hinten etwas angebraust kommt. Eine abenteuerliche Heimfahrt. Eine Burmese vor
mir landet mit seinem Fahrrad unsanft am Straßenrand. Er hat schon etwas zuviel getankt. Ich
halte an um zu helfen, werde aber von anderen angewiesen sofort weiterzufahren. Das sollen
wir wohl nicht sehen.

Weit wollen wir uns dann an diesem Abend vom Hotel nicht mehr entfernen. Das Wonderful
Tasty hat wieder ein gutes Abendessen für uns parat. Auch der englische Ballonfahrer sitzt im
Lokal.

Daten zum Tag:
Ballonfahrt: 225 U$ (gebucht bei Michael Pfeiffer / Fascinating Travel - Yangon)
1 Untersetzerset aus Lackware(Walter): 2500 Kyat
2 Untersetzersets aus Lackware(Michi): 4000 Kyat

 

 
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