Eine Reise durch's goldene Land
Indein
Fr 04.02. 2005 Der erste Tag in Bagan
 

05:20 Uhr aufstehen zur Sonnenaufgangsfototour. Nach knapp 10 Minuten sind alle abfahr-
bereit. Die Reifen der Fahrräder brauchen noch Stärkung. Das wird prompt erledigt. An der
Rezeption wird uns der Weg beschrieben und dann starten wir ins Dunkel der Nacht. Keine
Straßenbeleuchtung und natürlich keine Beleuchtung der Räder. Radeln im Stockdunkel. Ein
mulmiges Gefühl begleitet uns, weil wir das nicht gewohnt sind. Aber alle schnelleren
Gefährte haben schon Übung im Erkennen unbeleuchteter Hindernisse auf der Straße. Selber
muss man auf Schlaglöcher und Fußgänger aufpassen. Da hilft wiederum meine Stirnlampe,
mit der wir uns den Weg leuchten. Gut, dass wir Vlies Jacken angezogen haben, denn es ist
noch immer recht frisch. Das wird sich aber bald ändern, wenn die Sonne auftaucht.
Rundherum wird es mehr und mehr belebter, die ersten Hütten und Geschäfte außerhalb von
Old Bagan tauchen auf. Es dämmert und wir radeln durch die dicke Stadtmauer von Old
Bagan. Bald mach die Straße eine scharfe  Kurve nach links, geradeaus ist der Irrawady. Jetzt
müssen wir laut Plan wieder aus dem Bereich der Stadtmauer raus und dann ist es nicht mehr
weit. Eine Sandstraße, sogar mit Wegweiser „Mingala zedi paya“, zweigt rechts ab und
schon sind wir am Ziel. Nach meiner gestrigen Erfahrung hätte ich gedacht, dass wir das nicht
so perfekt hinbekommen und deshalb einige Sicherheit eingerechnet. Etwa 20 Minuten haben
wir für die Strecke von 4 km gebraucht.
Verkäufer sind natürlich auch schon da. Standaufbau für die frühen Kunden. Wie sollte es
anders sein, sie wollen auf unsere Schuhe aufpassen.

Steil gehen die Treppen auf die erste Plattform. Geschätzte 20 cm sind die Stufen breit. Gut
bemessen für burmesische Füße. Für europäische etwas zu kurz geraten. Kühl aber nicht kalt
ist der Stein in der Nach geworden.

Jetzt heißt es abwarten und einen guten Platz suchen bis der Sonnenaufgang beginnt. Ganz in
der Ferne ist bereits der Kran auszumachen, der den Bau des Aussichtsturms vorantreibt.
Mitten zwischen den schönsten Pagoden soll ein markantes Bauwerk entstehen, das alles
überragt. Angeblich soll dann das Betreten der Pagoden verboten und kräftig Eintritt am Turm
kassiert werden. Noch sind es Gerüchte, aber wer weiß.
Die Lichtstimmung verändert sich jetzt minütlich. Die Spitzen der vielen Pagoden tauchen
aus dem Morgennebel auf. Grau in grau zuerst, dann färbt sich die Szenerie blasblau bis
violett ein, kurz darauf eher monochrom braun, mit dem ersten Sonnenzipfel nimmt orange
die Vorherrschaft ein. Ganz in der Nähe erkennt man den goldenen Turm der Ananda Paya
deutlich. 07:00 Uhr ist es als die Sonne sich blicken lässt. Wir sind noch immer die einzigen
Besucher auf der Mingala zedi Paya. Die Schweitzer von gestern verschlafen ein wunderbares
Schauspiel. Stört mich überhaupt nicht.
Jetzt steht die Sonne schon einiges über dem Horizont und beleuchtet die unzähligen Pagoden
vor uns. Das Gegenlicht gibt einen mystischen Touch. Auch seitlich Richtung Süden,
Pagoden wohin man schaut. Das Farbspiel setzt sich fort. Orange, violett, monochrom, jetzt
hat die Sonne schon ordentlich Kraft. Wir brauchen die Vlies Jacken nicht mehr.
Steigen langsam und vorsichtig die schmalen Treppen hinunter. Am besten geht man verkehrt
hinunter oder setzt den Fuß schräg auf die Stufen. Die Schuhwächterinnen warten schon, sie
sind es wohl gewohnt immer wieder abgeschüttelt zu werden. Jetzt erst tauchen die ersten
Besucher auf um sich die Morgenstimmung anzuschauen. Ich denke ein wenig zu spät. Das
Beste haben sie versäumt. Die Räder sind bereit für den Heimweg. Ein ganz leichter Anstieg
bis zum Hotel, den man so gar nicht bemerkt, bringt uns ganz schön ins schwitzen. Jetzt
haben wir uns ein Frühstück verdient.

Mitten im Hotelgelände warten schon die Frühstückstische. Wir gehören noch immer zu den
Ersten, die das nicht sehr bereuen. Walter und Christian mosern zwar ein wenig rum, aber das
tun sie in der Früh immer. Zur Auswahl stehen Typisch burmesisches wie fried rice,
Vegetables oder Nudeln dazu Spiegeleier und Toast mit, wie könnte es anders sein,
Erdbeermarmelade. Die Wiese mit den Tischen im morgendlichen Sonnenschein ist wirklich
ein Hit. Der Blick auf die rötliche Ziegelpagode, eingerahmt von violetten Blüten, gleich
neben dem Hotel­gelände bringt diesen Eindruck dem Kitsch gefährlich nahe. Ein herrliches
Frühstück.

Sonnenaufgang, das war natürlich noch lange nicht alles! Nyaung U wartet. Also noch mal
die Räder gesattelt und die etwa 2 km nach Nyaung U geradelt. Viel wärmer ist es inzwischen
geworden. Die Sonne hat ganz schön Kraft entwickelt. Bringt uns ganz schön zum Schwitzen.
Die einspurige Hauptstraße wird bei der Ortseinfahrt in 2 Richtungsfahrbahnen aufgeteilt.
Getrennt durch einen Mittelstreifen mit Wiese und Bäumen bei dem man zu Fuß Probleme
bekommt hinauf und hinunter zu steigen.
Gleich am Anfang der Straße ist unser erstes Ziel. Die goldene Shwezigone Pagode, größtes
Heiligtum in Bagan und Vorbild für viele Pagoden des Landes. Ein langer gemauerter
Walkway führt direkt zum Eingang des Barfußbereiches. Ein gemauerter Walkway ist
irgendwie eine Besonderheit, da normalerweise Teakholzsteher ein Wellblechdach hoch
halten.
Wir parken unsere Fahrräder gleich neben diesem Walkway oder besser gesagt würden sie
gerne dort abstellen, denn ein Aufseher meint „Räder abstellen sei hier verboten“. Na gut lässt
sich verstehen, so nahe beim Chef. „Reicht es wenn wir sie da drüben abstellen?“ „Ok ok, but
there you must pay for parking!“ Wie bitte? Wir lehnen unsere Fahrräder neben der Straße zu
einem Zaun und sollen dafür zahlen? Da platzt es aus Walter in seinem unverkennbaren
Englisch heraus: „Pay fort the bike parking – nonono – this is a ..a…a Nepp“. Nimmt sein
Radl fährt 50 m um die nächste Kurve und stellt es dort ab. Von der Situation verblüfft ziehen
wir mit. 10 Kyat pro Person gespart, abgesehen vom Wechsel­problem. Denn auf 100 Kyat
oder gar 1000 Kyat hätte er nie herausgeben können. Man merkt also schon, dass sie sehr
kreative Ansätze Touristen gegenüber entwickeln. Der Wächter selber war von der Aktion
etwas überrascht und schaut uns nur grimmig nach.
Da sind die Verkäuferinnen, die jetzt auf uns zustürmen richtig freundlich. Heften uns sofort
mit einer Sicherheitsnadel einen kleinen selbst gebastelten Schmetterling, mit dem Beisatz „a
present only for you – we want to give you a present for free, you don’t have to pay, it’s a
present“ an. So nette Frauen aber auch. Nur als wir an ihren Läden vorbeimarschieren sind
auch sie beleidigt.
Walter und Christian sind ein wenig grantig, wegen der aufdringlichen Bettelei. Wenn ich
mich an Bali zurückdenke, dann ist es hier zwar harmlos, aber es beginnt schön langsam.
Jedenfalls möchte ich mit meinem Tele eine dieser mit riesigem Joint bewaffneten alten
Bäuerinnen fotografieren, natürlich ohne, dass sie es mitbekommen. Walter und Christian
sind schon ums nächste Eck, da falle ich bestimmt nicht so auf. Aber als das Tele ausgepackt
und am Fotoapparat montiert ist, da hat die eine alte Frau ihren exponierten Platz verlassen
und hat sich qualmend zu den anderen Raucherinnen dazugesellt. Ich werde langsam
vorbeimarschieren, unauffällig sein und im richtigen Augenblick zuschlagen.
Aber ich glaub schon nach dem 3ten Schritt in ihre Richtung haben sie mich entdeckt, sie
fuchteln aufgeregt und wollen unbedingt, dass ich fotografiere. Na gut, ich tue so als wüsste
ich nicht was sie wollen und folge ihrem Ruf. Neugierig stelle ich mich dazu und werfe einen
Blick auf die überdimensionalen Joints. Blätter von Maiskolben dienen als Zigarrenpapier und
eher Stroh als Tabak ist der Inhalt so eines Bombers, der locker 3 cm im Durchmesser und 15
cm in der Länge misst.  Jetzt werfen sie sich sogar in Pose, da bleibt mir keine Wahl und ich  
schieße schnell 2 Fotos. Nur was soll ich jetzt machen. Mit dem Kleingeld ist Walter
vorausgegangen und 1000 Kyat empfinde ich als zu großzügig. So bedanke ich mich höflich,
spiele den doofen Touristen (fällt mir eh nicht schwer) und spaziere mit einer Erklärung auf
Englisch, dass meine Freunde das Geld mitgenommen haben, davon. Die Erklärung war ihnen
bestimmt wurscht, wenn sie überhaupt verstanden wurde. Und so schicken sie mir Freundlich-
keiten hinterher.
In der Mittagshitze ist eine Runde um die goldene Shwezigone Pagode schon anstrengend
genug und man sollte sich hüten auf die grauen oder gar schwarzen Granitplatten zu steigen.
Walter und Christian warten schon im Schatten. Zurück bei den Schuhen startet die
Belagerung von vorne. An den Ständen gibt es die Üblichen Mitbringsel. Lackware wird
hauptsächlich in Bagan hergestellt und die Auswahl ist entscheidend größer. Aber die
Kaufstimmung ist noch nicht geweckt. So inspizieren wir zwar alle Stände, ziehen aber mit
leeren Händen weiter. Auf ein bye-bye reagieren die Verkäuferinnen schon gar nicht mehr.

Das Lagebesprechungsbier einpaar Ecken weiter tut gut. In Nyaung U gibt es einen Internet
Shop und den wollen wir als nächstes aufsuchen. Der kleine Laden liegt in einer staubigen
Seitenstraße vis a vis einer Ziegelpagode und ist perfekt ausgerüstet. Die PC’s zwar ohne
Seitenwand, bestimmt wegen der Kühlung, hinterlassen aber einen modernen Eindruck. 1
Generator als Notstromaggregat und 2 Autobatterien, die kurze Stromausfälle puffern sollen,
sind wichtiges Zubehör. Denn mehrmals pfeift die selbst gebastelte USV und macht auf eine
Stromschwankung aufmerksam. Etwa eine Stunde brauchen wir um über den ORF Account 3
Emails abzusetzen.

Jetzt in der absoluten Mittagshitze ruft der Pool im Hotel schon ganz laut, aber Walter und
Christian haben sich noch 2 sehenswerte Pagoden ausgesucht, die am Heimweg liegen.
Gubyauk Gyi und Gubyauk Nge. Also hin zu Besichtigungsobjekt 4 und 5 von 2217 hier in
Bagan. Gubyauk Gyi ist schnell erledigt, aber bei Gubyauk Nge stehen wir vor
verschlossenen Gittertoren. Lt. Reiseführer findet sich aber schnell ein Schlüsselwart ein, der
die versperrten Pagoden öffnet. Und so ist es auch. Aus dem Gestrüpp kommt ein Burmese
auf uns zu und sperrt ohne Aufforderung das Gitter auf. Im Dunkeln weißt er mit seiner
Taschenlampe immer wieder auf Besonderheiten hin. Es ist eine Pagode in der es viele
Wandmalereien gibt. Eigentlich untypisch für Burma. Und die Buddhas in den vielen Nischen
mit ihren roten Gewändern sind eigentlich auch untypisch. Aber mehr ist auf eigene Faust
über diese Pagode nicht zu erfahren.
Mit dem Wärter und der mitgebrachten Sofortbildkamera machen wir den ersten Versuche.
Sie funktioniert und er bekommt natürlich sein Foto. Überrascht sieht er zu wie langsam ein
Schatten auf das Polaroid gezaubert wird und er auf einmal ganz deutlich zu erkennen ist. Da
hat er auf seinen Obolus schon fast vergessen, aber Walter gibt ihm für seine Dienste eine
Kleinigkeit.
 
Freier Nachmittag bis 16:00 Uhr. Walter bekritzelt Postkarten mit „Mir geht es gut und der
Urlaub ist schön“ – Sprüchen für seine Erbtanten. Christian schwimmt etliche Längen im Pool
und ich geselle mich mit einem Bierchen dazu. Bevor es weitergeht schwinge ich mich auf
den chinesischen Drahtesel, fahre etwa 1 km Richtung Nyaung U und kläre ich beim Büro
von Balloons over Bagan noch ab, ob Walter als Fotograph im Bus mitgenommen werden
kann um bei der Landung ein paar Fotos zu schießen. Ich treffe dort einen Engländer von der
Crew, der mir das zusagt.

Dann wartet Pagode Nr 6, U Palin Thein am Weg zum Sonnenuntergang auf uns. Klein und
grau steht sie direkt neben der Hauptstraße. Erwartet hätten wir nach der Beschreibung im
Reiseführer einen Prachtbau. Vielleicht haben wir ja auch die falsche erwischt.
Ein Burmese verwickelt Walter in ein Gespräch und schenkt ihm einen 5 Kyat Schein. Der
soll Glück bringen und ist genau aus diesem Grund zwar ein offizielles Zahlungsmittel, aber
nicht im Umlauf.
Auch von Pagode Nr 7 mit der offiziellen Nummer 1845 erwarten wir uns einiges. Uralte
Stofffetzen sollen in der namenlosen Mini Pagode zu sehen sein. Alle 3 schauen wir neugierig
nach, aber diese Relikte bleiben uns verborgen. Sie müssen doch hier drinnen sein. Erst als
uns ein anderer Wärter auf die etwa 1 cm2 Tapetenfragmente zeigt wissen wir um das
Geheimnis des alten Stoffes. Faszinierend!

Kurz vor Old Bagan biegen wir von der Hauptstraße zum Ananda Tempel ab. Besichtigen
geht sich nicht mehr aus, denn der Sonnenuntergang rückt näher. Das werden wir aber
nachholen, denn es gibt eine Besonderheit im Tempel. Dazu aber später mehr.
Wir wollen nicht zur Hauptstraße zurückfahren und probieren eine Abkürzung. Am Parkplatz
vorbei in eine kurze schmale Gasse die bei einem kleinen Sportplatz endet. Etliche Zuschauer
haben sich eingefunden um den 2 Mannschaften zuzuschauen, die sich mit dem Nationalspiel
duellieren. Es funktioniert so ähnlich wie Volleyball und der Ball darf nur mit bestimmten
Körperteilen berührt, hauptsächlich mit den Füßen gegaberlt werden. Den Platz überqueren
wir vollkommen unbeachtet, alle Zuschauer sind vom Spiel gefesselt. Links geht es weiter in
eine breite sandige Straße, die direkt durch einen Markt führt. Nichts was man als Souvenir
mitbringen könnte. Blumentöpfe in verschiedensten Größen, Betten, Teakholz Möbel. Knapp
hinter dem Markt ist dann die 2te Hauptstraße. Ein kurzes Stück fahren wir mit unseren
Rädern gemütlich auf Asphalt und biegen dann wieder auf einen Sandweg zur  Shwesandaw
Pagode
ab. Die Pagode habe ich gestern schon beim Sonnenuntergang ein Stück weiter
östlich bewundert. Sie überragt alle umliegenden Pagoden.

Die Fahrräder stellen wir gleich neben der Pagode ab. Keine Besucher hier und fast keine
Verkäufer. Ein paar von ihnen bauen gerade die ersten Stände auf, sonst sind wir fast allein.
Zum Stupa hinauf führt eine sehr steile Steinstiege. Insgesamt gibt es 5 Plattformen, von
denen man einen schönen Ausblick hat. Richtung Osten ist die Landschaft und die vielen
Bauwerke bereits in goldenes Licht getaucht.

Eine Staubwolke nähert sich langsam der Pagode. Der erste Bus. Sonnenuntergänge sind sehr
beliebt in Bagan. Und es wird nicht der letzte Bus bleiben. Die 5 Terrassen der Shwesandaw
werden gut bevölkert und man muss seinen, mit dem Stativ abgegrenzten Platz fast
verteidigen. Alles versammelt sich auf der Westseite um dem Schauspiel beizuwohnen.
Die Sonne versinkt wie immer als großer roter Ball am Horizont und keine Wolke weit und
breit. Deshalb ist es auch recht schnell vorbei.
Viele Besucher klettern wieder von der Pagode, verteilen sich in die herumstehenden Busse
und sind wieder verschwunden. Wir lassen uns noch ein wenig Zeit und radeln ein wenig
später zurück zum Hotel. Auf dem Heimweg versuchen wir wieder dieselbe Abkürzung zu
finden. Ganz gelingt das nicht, denn wir landen in einer Sackgasse. Aber diese Sackgasse hat
es in sich. Staubig, wie die Seitenstraßen hier alle sind, viele dunkle Gestalten und wenn uns
das irgendwo anders auf dieser Welt passiert wäre, diese Zeilen würde ich wohl nicht mehr
schreiben. In Myanmar dreht man einfach um fragt nach richtigen Weg und fährt weiter.

Weil wir Fahrrad fahren im Dunkeln schon gewohnt sind zieht es uns zum Abendessen nach
Nyaung U. Eine Straße hinter dem Internet Shop gibt es zahlreiche Restaurants. Das
„Wonderful Tasty“ schaut passabel aus. Es wird wiedermal ein früher Schluss, denn außer
Essen gehen gibt es keine weitere Abendunterhaltung. Gut Nacht.

Daten zum Tag:
Internet in Bagan: 1 Std. 3000 Kyat

 

 
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