Eine Reise durch's goldene Land
Indein
Do 03.02. 2005 Schiffahrt von Mandalay nach Bagan
 

04:30 Uhr. Selbst für einen Frühaufsteher viel zu früh. Die sonst sehr redseligen
Rezeptionistinnen sind auch noch nicht aufgeblüht. Haben aber mitgedacht und unsere beiden
Reisewecker überholt. Die erste ¼ Stunde vergeht wie in Trance aber die Handgriffe sitzen.
Um 04:45 Uhr gibt es sogar ein Frühstück mit 2 Eiern Toast, Butter, Erdbeermarmelade, was
sonst und Kaffee auf das Zimmer serviert. Damit haben wir nicht gerechnet. Super Service.

05:00 Uhr. Das Taxi wartet schon. Der gleiche Fahrer wie gestern. Um diese Zeit verzeihen
wir ihm, dass er noch zerknittert drein schaut. Tun wir doch auch. Die 4 großen Tasschen und
3 Fotorucksäcke haben gerade Platz im Kombi.
Am Schiff sind wir mit Abstand die Passagiere mit dem meisten Gepäck. Unter den
Pullmannsitzen findet das alles keinen Platz. So verparken wir den Gang neben unseren
Sitzen. Uff endlich geschafft. Walter möchte jetzt ein Bier und Christian seine Ruhe. Weil ich
blöd geredet habe, komm ich um das halbe Bier nicht rum. Ein Bier um ½ 6 in der Früh
mundet bestimmt wenn es das letzte nicht das erste ist.

Neben unserem Boot, welches die Strecke von Mandalay nach Bagan in etwa 9 Stunden
bewältigt, liegt das Slow Boot. Es ist hauptsächlich von Einheimischen frequentiert, wegen
des viel niedrigeren Preises. Das Schiff braucht für dieselbe Strecke etwa 24-29 Stunden.
Allerdings mit einem Stopp über Nacht, da Navigieren im Finsteren zwischen den Sand-
bänken des Irrawady zu gefährlich ist.
An Deck des langsamen Bootes haben es sich bereits die ersten Familien mit Haustieren
gemütlich gemacht. In der Mitte plärrt ein Fernseher mit für unsere Ohren immer den
gleichen Karaoke Songs.

Pünktlich um 06:00 Uhr legen wir ab. 2 Signale aus dem Nebelhorn sind der Startschuss für
die gemütliche Fluß­reise. Langsam und schemenhaft zieht das Ufer an uns vorbei. Noch kann
man die Grenze zwischen Fluß und Ufer nicht ausmachen. Hauptsache der große Suchschein-
werfer zeigt dem Kapitän den richtigen Weg zwischen den Sandbänken.

Der beginnende Sonnenaufgang, begleitet vom monotonen Geräusch der Schiffsmotoren und
der Fahrtwind lassen richtig angenehme Urlaubsstimmung aufkommen. Die letzten Tage
waren imposant aber anstrengend. Da tut ein erholsamer Tag zwischendurch ganz gut.
Langsam setzt sich die Sonne gegen die Finsternis und den Morgennebel durch. Etwa auf
Höhe der Hügel von Sagain taucht die Sonne am Horizont auf und schüttet ihr rot über den
leicht bewölkten Himmel. Der erste wirklich miterlebte Sonnenaufgang in Myanmar und
keiner wird es uns glauben.

Am Bug hat das Schiff 2 Echoloten. Bei den Untiefen des Irrawady und den wandernden
Sandbänken unabdingbare Navigationshilfen. Ich kenne diese Messgeräte von einigen
Segeltörns. Wenn das Warnsignal ertönt, dann ist Vorsicht geboten. Nach ähnlichem Prinzip
arbeiten burmesische Tiefenmesser. Mit 2 etwa 4 m langen Stangen versuchen sie den Grund
des Irrawady zu ertasten. Annähernd gleichzeitig stecken sie die langen Bambusstangen
gegen die Fahrtrichtung in den Fluß. Warten ab bis die Stangen senkrecht nach unten zeigen
und rufen anhand der Markierung die Tiefeninformation zum Kapitän. Die Rufe kommen
immer im Doppelpack. Vielleicht wurden die Echo Loten sogar in Myanmar erfunden. Nur
weiterentwickelt wurden sie hier nicht.

Zwischendurch wird 2 x angelegt und der Kapitän verlässt uns im absoluten Niemandsland.
Ein neuer wird vorsichtshalber an Bord geholt. Es dürfte sich bei jeder Fahrt so abspielen,
denn am Ufer warten bereits unzählige Verkäuferinnen mit Früchten und Getränken, die sie
den Gästen am Schiff anbieten möchten. Mit ihren Longyis waten sie dem Schiff entgegen
und ein lautes feilschen beginnt. Ich war gerade dabei ein Nickerchen zu machen und
beobachte das Treiben beim ersten Stopp durch das Fenster neben unseren Sitzen.

Auf dem verbleibenden Teil der Fahrt passiert einfach nichts. Gemütlich zieht das Ufer
vorbei. Die Dieselmotoren des Schiffes ändern ihre Knatterfrequenz nur selten. Im Restaurant
spielt der Fernseher wie am Slow Boat unvermeidbar Karaoke. Wir sitzen im Salon und
genehmigen uns ein Myanmar. Die Echoloten werden nicht mehr gebraucht.

Die ersten Pagoden Bagans tauchen am nahen Flussufer auf. Kleine Rote Ziegelpagoden in
verstreuten Gruppen zwischen vertrockneten Sträuchern. Dann die große goldene Stupa der
Shwezigone, Hauptheiligtum Nyaung U’s. Das Anlegemanöver lässt nicht mehr lange auf
sich warten. Unruhe verbreitet sich auf dem Schiff, das bereits die Fahrt verlangsamt. Ein
geeigneter Platz zum Anlegen ist nicht auszumachen: Träger warten flussabwärts auf
schweres Gepäck. Dorthin steuert der Kapitän jetzt seine Fracht und legt an.

Über dicke Planken verlassen wir mit unseren Taschen das Boot und halten Ausschau nach
unserem Transferbus zum Hotel. Den Anstieg zum Parkplatz müssen wir das Gepäck selber
tragen. Unsere Abholcrew war klug und hat sich die Schlepperei erspart. Walter erledigt
inzwischen den Bagan.Check-In an einem einfachen Tisch der gleich neben dem Weg steht.
10 U$ Zone Fee müssen pro Person entrichtet werden.

Dann geht es recht flott weiter. Wir werden mit einem Mr. Michael Krainz – Schild
empfangen, zum Bus gebracht der uns direkt ins Hotel Golden Express bringt. Unterwegs
geht’s vorbei an einem Platz wo gerade 2 Heißluftballone starten. Am Samstag werd ich das
auch versuchen. Bin schon gespannt.

Das Hotel ist spitze. Nach dem Check In werden wir ins Zimmer mit Poolblick gebracht.
Walter und Christian sind begeistert vom Pool und kein Sonnenuntergang hinter Pagoden
kann die Beiden von einer Erfrischung im Wasser abbringen.
So raff ich meinen Rucksack, Stativ und die letzte Energie zusammen, jette schnell zur
Rezeption um mir ein Fahrrad auszuleihen, das Erste wird gleich genommen, laß mir von der
Rezeptionistin einen guten Platz erklären und starte durch.
Ein bisschen Reservezeit bleibt, aber nicht viel und mit dem chinesischen Waffenrad ist
schnelles Weiterkommen eher anstrengend. Keine Gangschaltung, schlecht aufgepumpte
Reifen, sehr sehr sachte Bremsen, kein Licht, aber gebogene Lenker für eine aufrechte
Haltung. Nach einer fahrtechnischen Eingewöhnungsphase sollte aber schön langsam die
angekündigte Abzweigung nach links kommen. Oder bin ich schon vorbei? Ich bin! Wie mir
ein Einheimischer auf die Frage, „Ywa Haung Gyi“ deutet. Ein Stück weiter hinten soll die
Abzweigung sein. Gut, dann nichts wie zurück und rechts ins Gemüse abgebogen. Jetzt wäre
ein Mountainbike von Vorteil. Knöcheltiefer rötlicher Staub und Fahrrillen von Ochsenkarren
gestalten das Vorwärtskommen zu einem Geschicklichkeitstraining. Der schwere Rucksack
und das Stativ vorne im Körberl bringen mich immer wieder aus dem Gleichgewicht, aber
nicht zu Sturz. Die andere Seite ist erreicht. Die parallele Hauptstraße ist viel einfacher zu
befahren, aber wo soll meine Pagode sein. Natürlich bin ich schon wieder zu weit gefahren.
Die 3 Ladies, denen ich die gleiche Frage wie vorher gestellt habe, haben mich zuerst nur
ungläubig angeschaut, dann gekichert und schräg nach hinten gedeutet.
Also zurück, schön langsam wird die Zeit aber knapp. Die Sonne ist dem Horizont schon
bedenklich nahe. Meine gesuchte Pagode ist das nicht. Also Vollgas und da ist er schon der
Wegweiser - Ywa Haung Gyi Paya. Jetzt kann nichts mehr passieren. Schnell Fahrrad
abgesperrt, die vielen Verkäufer abgeschüttelt und hinein in die Pagode um den Aufgang zu
suchen. Eine Verkäuferin passt auf meine Schuhe auf, sie will mir später was verkaufen, ein
Standler tut selbiges mit meinem Rad, eine weitere Verkäuferin zeigt mir den dusteren
Aufgang. Ob sie mir was verkaufen will? Ich habe jetzt keine Zeit, ich möchte nur hinauf auf
die Plattform und das sofort. Gut, daß ich meine Stirnlampe dabei habe, denn der Aufgang
geht vom dunklen Inneren hinauf und biegt oben links ab, so dass kaum ein Lichtschein den
schmalen Aufstieg beleuchtet. Mit Rucksack und Stativ wird es schon ziemlich eng.
Gegenverkehr kann ich keinen brauchen. Aber jetzt will auch keiner mehr runter.
Überraschung, einen Gruppe von 40 Schweizern hat es sich bereits gemütlich gemacht und
blitzen mit ihren Digitalkameras den einsetzenden Sonnenuntergang. Mir machen sie
bereitwillig Platz. Ein Profi mit Stativ, analoger Kamera und riesigem Objektiv. Keine 2
Minuten hätte ich später eintreffen dürfen. Ein toller Anblick wie die Sonne zwischen Ananda
und She San Daw versinkt. Mit dem Tele kann ich sie phantastisch nahe ran holen und alles
wie durch ein Fernglas beobachten. Die beiden Pagoden heben sich durch ihre Größe schön
vom Hintergrund ab. Wie gut, dass sich die Sonne entschieden hat genau dort zu versinken.

Nachdem der Zauber vorbei ist, haben es die Eidgenossen ziemlich eilig. Ruhig ist es jetzt 
am Tempel, aber ich sollte schön langsam zurück zum Hotel. Die Verkäufer haben alle noch
auf mich gewartet. Sie möchten unbedingt, dass ich was kaufe schließlich haben sie mir den
Weg gezeigt, auf meine Schuhe und mein Fahrrad aufgepasst. Sie sind alle sehr freundlich,
trotzdem lästig und das erhöht meine Kaufstimmung nicht, also lass ich es bleiben.

Vielleicht geht sich noch ein kurzer Abstecher nach Nyaung U aus. Einen Versuch ist es
jedenfalls Wert. Ich radl und radl und es kommt mir kein Nyaung U entgegen. Da hab ich die
Entfernung doch unterschätzt. Also besser einen Sandweg suchen auf dem ich wieder zur
anderen Hauptstraße hinüber und zurück zum Hotel komme.

Walter und Christian haben den freien Nachmittag am Pool genossen. Ein chinesisches
Fahrrad sollten sie sich noch aussuchen. Das wiederum gestaltet sich nicht so einfach, denn
mal ist die Bremse schlecht, mal der Lenker gebogen, mal der Sattel zu nieder oder das Ganze
zu klapprig, aber nach etlichen Testrunden ist der Deal perfekt. Sie haben ihre Bolliden.

Und nach kurzer Beratschlagung werden wir ein Restaurant gleich neben dem Hotel suchen.
Das Queens sagt uns zu. Übrigens um Klassen billiger als in Mandalay.
Bei romantischen Kerzenlicht nehmen wir unser erstes Abendessen in Bagan zu uns. Um
21:00 Uhr sind wir damit fertig und könnten noch was unternehmen. Deshalb fragt Walter an
der Rezeption nach einem Platz wo man noch ein Bier bekommt. Fassungslos schaut deutet
die Dame hinter dem Tresen auf die Uhr und sagt dazu „It’s nine o clock“. „Jaja das wissen
wir schon, aber wo können wir noch ein Bier bekommen?“ Warum sollten wir hier mehr
Glück haben. Also ab ins Bett. Es wartet ein früher Start.

 

Daten zum Tag:
Taxi vom Hotel zum Jetty: 4.000 Kyat
Schiffahrt Mandalay-Bagan:18 U$ (Normalpreis bei Selbstbuchung 16 U$)
Golden Express Hotel: Tripple Zimmer 30 U$ / Tag incl. Frühstück.

 
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