Eine Reise durch's goldene Land
Indein
Mi 02.02. 2005 Ausflug nach Pin U Lwin
 

07:00 Uhr. Was ist passiert? Walter hat es geschafft als erster abreisebereit auf der Matte zu
stehen. Vielleicht liegt es auch am Ausflugsziel. Walter steht auf botanische Gärten. Ich
nehme das Notprogramm hin, denn wir sind einen Tag zu früh und überhastet vom Inle See
abgereist. Keiner hat sich das Tourprogramm gründlich durchgelesen. Nichtmal der
Reiseleiter. Und so wird der zusätzliche Tag mit einem Ausflug nach Pin U Lwin konsumiert.
Auch beim Frühstück hat er sich die Pole Position nicht nehmen lassen. Woher auf einmal
diese Energie? Und sogar zur vereinbarten Abfahrt um 08:00 Uhr müssen Christian und ich
nicht antreiben. Das Leben birgt viele Überraschungen.
Wer darf vorne sitzen? Erraten, ich darf vorne sitzen. Schon gewohnt der Gefahr ins Auge zu
blicken setze ich mich mutig neben den neuen Taxifahrer. Ein recht gut gepflegter Kombi.
Bei uns zu Hause würde er einer Überprüfung niemals standhalten, aber für Myanmar
Verhältnisse gut in Schuss. Was man vom Fahrer noch nicht behaupten kann. Keine Ahnung
was der gestern veranstaltet hat, aber er wirkt nicht ganz frisch.

Die genaue Route ist gestern Abend vereinbart worden. Die recht beredte Rezeptionistin des
View Inn hat den Taxi Deal eingefädelt. Handeln war nicht möglich, Fixpreis. Mangels
Alternativen, der blue Taxi Driver hatte sich war angeboten war aber teurer, haben wir
zugeschlagen 33.000 Kyat für den Tag. Und so hatten wir keinen Einfluss auf Fahrer und
Taxi.
Jedenfalls hoffen wir dass der Fahrer unsere Wünsche kennt, denn mit ihm zu sprechen endet
immer in einem freundlichen aber verständnislosen Grinsen. Na es wird schon alles klappen.

Nachdem der Betelnussnachschub für den Fahrer gesichert ist, taut er auf. Wirkt aufgeweckter
und fahrtüchtig. Sein Englisch ist dadurch nicht besser geworden.

Nach einiger Zeit verändert sich die Landschaft. Walter und Christian bestätigen mir, dass es
sauberer zu werden scheint. Der Straßenrand gleicht nicht mehr einer endlosen Müllkippe und
die Vorgärten und Häuser sind gepflegter. Die Gesichter der Leute werden aber düsterer.
Nicht mehr so offenherzig freundlich. Eine Mischung aus scheu, arrogant und stolz. So
kommt es uns vor.

Pin U Lwin erreichen wir nach ca. 1 ½ Stunden Fahrzeit. Bei einem Kiosk versorgen wir uns
mit Wasser und ein paar Keksen für unterwegs. Dann geht es weiter zu den 8 km entfernten
Pwe KaukWasserfällen. Das überschaubare Gelände bietet einen Wasserfall über 3
Kaskaden. Das klingt viel spannender als es eigentlich ist. In 30 Minuten hat man den
Rundweg erledigt und kommt zum Ausgangspunkt, dem Parkplatz zurück.
Die Rezeptionistin hat dem Fahrer aufgetragen uns auch bei einer Pagode abzusetzen.
Gehorsam erfüllt er diesen Job. Keiner möchte so richtig aus dem Taxi raus. Es ist heiß und
Pagoden haben wir schon so viele gesehen. Aber OK, wenn wir schon mal hier sind. Leider
wissen wir nicht einmal den Namen der Pagode. Dem Reiseführer ist keine Information zu
diesem Teil zwischen Wasserfall und Pin U Lwin zu entlocken. Die Fotos goldene Pagode
und ein paar goldene Details gegen den dunkelblauen Himmel werden aber ganz brauchbar.
Ein Versuch dem Fahrer den Namen der Pagode zu entlocken bestätigt meinen Verdacht:
„Yes, Yes Pagoda“.
Eventuell könnten wir in der Mahanth Too Kann Thar Pagode gewesen sein.

Der nächste Programmpunkt ist der botanische Garten von Pin U Lwin. Hätte es eine
Gelegenheit gegeben vor dem Garten zu warten. Ich hätte sie genutzt und das Eintrittsgeld
gewinnbringender investiert. Aber es gibt kein Lokal vor den Toren des Parks. So spaziere ich
mit Walter und Christian eine kleine Runde um den See. Wir fotografieren Vögel und
bestaunen ca. 200 verschiedene Bambusarten. Dann setze ich mich in das Kaffee nahe dem
Parkplatz, vervollständige mein Reisetagebuch und genieße die Abgeschiedenheit und Ruhe
des Parks. Zumindest die ersten 5 Minuten, bis die burmesische Schulklasse auftaucht. Aber
es ist ganz lustig zu beobachte, dass die jugendlichen einen irren Spaß mit einem Fotoapparat
haben. Jeder muss mindestens ein Mal ins Bild.
Einige Zeit später kommen Walter und Christian zurück. Ihr Ausflug hat den Orchideengarten
zum Ziel gehabt. Mit Phantastisch und so was hast du überhaupt noch nie gesehen wollen sie
mir lange Zähne machen. Doch das kratzt mich gar nicht. Außerdem war es sarkastisch
gemeint. Orchideengärten sind nämlich nur dann wunderschön wenn die Orchideen in voller
Blüte stehen. Die grünen Stängel verdienen das Prädikat Orchideengarten hingegen nicht.
Mein Bier war OK.

In Pin U Lwin wird beim Uhrturm gestoppt. Laut Reiseführer einer der interessantesten Plätze
des Ortes. Walter möchte noch weitere Fotos schießen und Christian und Ich stochern
inzwischen am Markt nach Keksen. Werden aber nicht fündig.

Viel Aufregendes haben wir heute noch nicht gesehen. Beim Anisakan Wasserfall sind
unsere Erwartungen schon sehr runtergeschraubt. Am Parkplatz werden wir schon von
Burmesinen erwartet, die uns erstens den Weg zu den Wasserfällen zeigen und zweitens
unterwegs Getränke verkaufen möchten. Ungefragt verfolgen sie uns und sind nicht
abzuschütteln. Genervt, ob der ungebetenen Begleitung sind wir recht schroff zu den Damen.
Wir sind der Meinung, dass wir den Weg hinunter nicht verfehlen können und für die
Begleitung erwarten sie dann bestimmt ein ordentliches Trinkgeld. Ziehen dann aber
bestimmt schimpfend ab wenn es ihrer Vorstellung nach zu gering ausgefallen ist. Eine
typische loose – loose Situation. Christian ist da geradlinig, er spricht kein Wort mit unseren
Begleiterinnen und stapft vorne weg. Ich bin auch eher abweisend weil verstimmt und Walter
kommt langsam in Kontakt.
Für den recht steinigen und steilen Pfad hinunter brauchen wir etwa 45 Minuten. Na Bravo,
das verspricht einen ganz schön anstrengenden Rückweg.

Schon eine ganze Zeit lang haben wir den Wasserfall gehört. Aber nach jedem Serpentin ist es
wieder leiser geworden. So sind wir recht überrascht als wir plötzlich vor den etwa 50 m
hohen Wasserfällen stehen. In 3 Wasserstrahlen schießt das Wasser über die Kante in die
Tiefe und sammelt sich in tiefen Becken am Fuße der Wand. Die Sonne beleuchtet die
Wasserfälle optimal und seitlich kann man sogar einen Regenbogen beobachten, der sich quer
über die Becken spannt.

Christian und ich sind ausgeschwärmt um ein paar Fotos zu machen. Walter hat sich in die
Badehose geschmissen und nimmt ein erfrischendes Bad. Die Burmesinnen warten mit
gekühlten Getränken auf Kundschaft. Damit sie nicht ganz umsonst mitgegangen sind hol ich
mir ein Fanta. Christian und Walter bleiben beim mitgebrachten Wasser.

Langsam wird es Zeit wieder an den Aufstieg zu denken. Jetzt zeigt sich, dass es doch ganz
gut war ortskundige Begleitung dabei zu haben. Wir wären den gleichen Weg zurück
gegangen, den wir schon gekommen sind. Aber viel interessanter ist der Pfad durchs Dickicht
zur Kante des Wasserfalls. Und der Blick hinunter erst. Zuerst wagt sich Christian auf den
Felsen, der direkt neben der Abrisskante des Wasserfalls liegt. Dann zeigt eine der Damen,
daß man auch zehenwippend an der Kante, einen guten Ausblick hat. Nein Danke, das brauch
ich jetzt nicht. Mir reicht schon der Felsen und der Blick 50 m in die Tiefe. Das war mit
meiner Höhenangst schon genug Überwindung. Walter verzichtet freiwillig auf dieses
Abenteuer.

Das war wohl der Höhepunkt des Tages. Mit Fotostopps brauchen wir schweißtreibende 60
Minuten um den Parkplatz wieder zu erreichen. Den Begleiterinnen geben wir 1000 Kyat
Trinkgeld. Und wie erwartet war es ihnen zu wenig. Auch wenn sie uns einen schönen
Rückweg gezeigt haben. Wir haben sie nicht darum gebeten uns die fast 3 Stunden zu
begleiten. Deshalb gibt es keinen Nachschlag.

Die Heimfahrt vergeht für alle wie im Traum. Erst am Einkaufzentrum Balazone wird für die
morgige Schifffahrt wieder munter eingekauft. Ich bleibe mit dem Fahrer beim Auto, steige
aus und beobachte ein wenig den chaotischen Verkehr. Es geht drunter und drüber. Autos,
Lastwagen, Mopeds, Busse, Fahrradfahrer, Fußgänger, Tri Shaws, eine einzige lärmende
Masse. Es wird gehupt geschrieen, gebremst, Gas gegeben, gedrängelt und bestimmt auch
geschubst. Neben der Straße spielen ein paar jugendliche das Nationalspiel mit dem Bastball.
Immer wieder passiert es, dass der Ball auf die Straße rollt. Selbst bei noch so viel Verkehr,
der Ball wir immer heil an Land geholt.
Leider bleibt es nicht aus, dass mich nach kurzer Zeit einige bettelnde Kinder und Frauen
entdecken. Sie weichen nicht ab, auch nicht wie ich ihnen versichere, dass ich kein Geld dabei
habe. Dem Jungen kann ich eine Baseballkappe mitgeben, aber die Frau bleibt hartnäckig. Ich
glaube sogar, dass Walter ihr schon vorher was zugesteckt hat.

Der Rest des Tages ist Routine. Die Taschen werden für die Abreise am nächsten Tag
gepackt. Das Abendessen im green Elephant eingenommen. Spring Roll Wettessen ist
angesagt. Tagebuchschreiben, damit diese Zeilen überhaupt möglich sind. Bei der Rezeption
das Taxi zur Fähre geordert. Die Weckzeit auf unchristliche 04:30 Uhr gestellt und schon
bekomme ich nichts mehr mit.

Daten zum Tag:
Taxi an der Reze gemietet: 33.000 Kyat
Eintritt Wasserfälle Pwe Kauk: 500 Kyat
Eintritt botanischer Garten: 2.000 Kyat

 

 
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