Eine Reise durch's goldene Land
Indein
Di 01.02. 2005 Bootsfahrt nach Minguin
 

07:30 Uhr. Beim für uns mittlerweile recht eintönigen Frühstück aus Tee oder Kaffe, der
saisonbedingten und deswegen unvermeidliche Erdbeermarmelade, sowie Toast und Butter
lernen wir ein Paar aus Norwegen kennen. Ich dachte zuerst 2 Schweden und rufe ihnen „god
moron o ha en bra dag“ zu was soviel wie „Guten Morgen und einen schönen Tag“ bedeutet.
Sie freuen sich über die Anrede und wir tauschen die üblichen Reiseerfahrungen aus. Sie
geben uns nützliche Tipps bezüglich Sonnenauf- und -untergang in Bagan und wir erzählen
von unseren Highlights am Inle See. Wenn es sich arrangieren lässt, dann möchten sie uns
gerne begleiten, bei unserem heutigen Ausflug nach Minguin. OK kein Problem aber wir
müssen schon mal starten, denn der blue Taxi Fahrer wartet. Wir sehen uns beim Jetty.
Gegen 08:30 Uhr fahren wir also zum Irrawady um uns dort ein Boot zu mieten. Die
Alternative wäre das Linienschiff gewesen, welches um 09:00 Uhr ablegt und um 13:00 Uhr
Minguin wieder verlässt. Wir möchten aber flexibler sein und außerdem haben wir noch kein
Programm in der vereinbarten Zeit geschafft. Warum sollte es heute anders sein.
Das Linienschiff ist gerade dabei abzulegen, als wir den Steg passieren. Unser Boot liegt
weiter Flußaufwärts. Entlang des Irrawady geht es noch ein schönes Stück gegen Norden bis
wir bei den Taxi Booten sind. Oje wir haben mit den Norwegern einem Treffpunkt beim Jetty
ausgemacht, die finden uns nie. Oft ist es ziemlich schwierig eine genaue Auskunft zu
bekommen, denn am Vortag beim Organisieren des heutigen Ausflugs hat der blue Taxi
Fahrer gemeint, das Boot startet gleich neben dem Jetty. Na gut so ist es eben.

Vor der Abfahrt ist noch ein bisschen Zeit um das Leben auf den Booten und Flößen direkt
am Irrawady zu beobachten. Entlang des Ufers gibt kaum ein frei zugängliches Stück Land,
an dem nicht Hausboote oder großflächige Flöße mit kleinen Hütten drauf, vor Anker liegen.
Auf der fast durchgehenden Fläche aus zusammengebundenen Bambus, spielen Kinder,
erledigen Erwachsene die Morgentoilette, wird gearbeitet, Wäsche gewaschen und gefaulenzt.
Reges Treiben herrscht momentan auf dem kleinen Seitenarm des Irrawady.

Jetzt wird es aber Zeit das Boot zu mieten. Knapp vor uns sind laut Gästebuch 4 Österreicher
gestartet. Das offiziellet Boot nach Minguin ist auch schon vorbeigetuckert. Als plötzlich
ganz außer Atem der Norweger mit seiner Frau auftaucht. Endlich hat er uns gefunden, war
gar nicht so einfach. Also Mr. Norweger würde gerne nach Minguin mitfahren. Das dürfte
kein Problem sein, denn das Boot hat 5 Sitze. Die geschäftstüchtigen Burmesen erkennen die
Situation sofort und schalten schnell. Nein, Nein 5 Europäer dürfen nicht gleichzeitig in das
Boot. Laut burmesischen Gesetzt dürfen 5 Burmesen oder 4 Europäer mitfahren, denn sonst
sinkt das kleine Gefährt. Das Boot hält sich bestimmt an die Gesetze. Und sie sind sofort
ziemlich aufgebracht über die veränderte Situation. 5 Personen von unserer Größe in diesem
kleinen Boot, nein das ist unmöglich. Wir müssen klein beigeben, wenn der Trick auch
offensichtlich ist, denn sonst kommen wir hier nicht mehr weg. Der Norweger und seine Frau
müssen wohl oder übel ein eigenes Boot mieten. Schade, die waren ganz nett und billiger
wäre es für alle gewesen.

Das Boot mit dem netten Sonnensegel ist wirklich recht klein, aber die 2 schlanken Norweger
hätten immer Platz gefunden. Einige Zeit später haben wir den Touristenexpress eingeholt
und tüchtig gewunken. Wir sehen uns. Mit lautem Geknatter brauchen wir für die 11 km etwa
30 Minuten bis wir am Strand in Minguin anlegen. Schon einige Zeit vorher haben wir unser
Ziel ausgemacht. Leider ist es wieder viel zu diesig um schöne Fotos zu machen. Das Licht
würde ideal passen. Die Sonne in unserem Rücken strahlt den riesigen Ziegelhaufen von
Minguin an, aber kann den Morgennebel noch nicht vertreiben.

Wie es sich für hochstrebende Touristenattraktionen gehört, warten etliche Verkäufer schon
lange Zeit bevor wir sie überhaupt sehen können auf uns. Und sie lassen sich auch nicht so
leicht abschütteln. Wir zeigen aber kein Interesse an Postkarten, Fächern aus Sandelholz,
Taschen oder etwaigen Dienstleistungen wie Eskortierung.
Auf einer Tafel neben der Straße sind die Monumente von Minguin aufgezeichnet. Authorised
by the chief of Village; Sponsored by Förderverein Myanmar e.V. & Studiosus Munich,
www.helpmyanmar.org steht unter dem Plan (funktioniert aber nicht).

Der Weg zur großen Pagode ist gesäumt von unzähligen Souvenir- und Erfrischungs­ständen.
Überall möchte man kühles Cola oder Sprite an den Mann bringen.
Zuerst aber wollen wir den größten von Menschenhand errichteten Ziegelhaufen sehen der in
29 jähriger Bauzeit (1790 – 1819) unter König Bodawpaya entstanden ist. Und wäre der
König nicht gestorben, dann wäre die Pagode vielleicht sogar bis zur geplanten Höhe von 150
m hochgezogen worden. So wurde der Bau bei 50 m Höhe eingestellt. Jede der Seiten misst
72 m. Ein wirklich imposanter Bau!
Walter erzählt von einem verheerenden Erdbeben und daß die Schäden und großen Risse aus
dieser Zeit stammen. Ich frage nach der Jahreszahl und viel zu schnell kommt die Antwort
„1838“. Da kenne ich Walter viel zu gut um ihm das glauben zu dürfen. Immer wenn die
Antwort von einem Schmunzeln begleitet, wie aus der Pistole geschossen kommt, dann hat er
keine Ahnung. Ein Bier wenn das stimmt. Mit dem gleichen Schmunzeln ruft er wenig später
„Prost“.

Eine Nonne passiert den Platz direkt vor der Pagode. Rosa Gewand wie es sich für Nonnen
gehört und den schönen roten Sonnenschirm aus Papier dabei. Welch ein Zufall. Und schon
wird sie gefragt, ob es vielleicht erlaubt ist ein Foto zu schießen. „Yes, Yes“ Was haben wir
für ein Glück.
In der Bettelschale sind schon einige Scheine. Bestimmt dürfen Nonnen auch keine
Geldscheine angreifen. Aber sammeln dürfen sie. Und erst recht wenn sie für Touristen
posiert haben. Naja, vielleicht war das Foto nicht ganz so einzigartig und zufällig.

Da das Linienschiff mittlerweile angelegt hat und immer mehr Touristen den Platz vor der
großen Pagode bevölkern, marschieren wir weiter zur Minguin Bell. Eine Glocke von der
behauptet wird, sie sei die größte intakte der Welt. Die größte, allerdings defekte Glocke
findet man in Moskau. Diese hier wiegt 90 Tonnen und ist von König Bodawpaya für seine
große Pagode vorgesehen gewesen. Natürlich ist der Gießer nach vollbrachtem Werk getötet
worden, damit er sein Werk nicht vielleicht für jemanden anderen wiederholen kann.
1839 beim großen Erdbeben, steht auf der Gedenktafel, sei die Aufhängung dann gebrochen
und die Glocke einige Zeit am Boden gestanden. Interessant, gab es zwei Erdbeben?

Walter und Christian nehmen den sonoren Klang auf Minidisk auf, während ich mit dem
Stück Holz versuche der Glocke schöne Töne zu entlocken.

Für einen Nachbau der Glocke in Yangon wird die Glocke gerade vermessen. Deshalb ist sie
mit Bambusstecken eingerüstet. Shwedagon, Armarapura alles wird renoviert und jetzt auch
noch die Glocke. Mit Baugerüsten haben wir kein Glück.

Die schneeweiße Hsinbyume Pagode nicht unweit der Glocke ist vom Nachfolger und
Mörder  König Bodawpayas erbaut worden. Sie ist dem Zentrum der Erde, dem Mount Meru
mit seinen 7 Terrassen nachempfunden.
Die wellenförmigen Bögen sollten wieder weiß getüncht werden. Die schöne Farbe der
Pagode ist schon ziemlich verwittert.
Während wir unsere Schuhe ausziehen bieten uns zahlreiche Kinder ihre Dienste an. Sie
wollen auf unsere Schuhe aufpassen. Sie möchten uns Kerzen oder Räucherstäbchen
verkaufen. Sie möchten uns Postkarten andrehen. Sie möchten uns Oldies helfen die steilen
Stufen hinaufzugehen und uns dabei stützen. Sie möchten wissen woher wir kommen und
zupfen an unseren Ärmeln. Sie möchten von uns Geschenke. Es kann ganz schön lästig sein
dauernd „Nein“ oder „Nein Danke“ zu sagen.

Auf der obersten Plattform thront ein kleiner Buddha, daneben ein Gestell für Räucher­
stäbchen und Kerzen. Da geht das Beschwatzen wieder von vorne los. Nein, Nein, Nein wir
möchten keine Kerzen oder Räucherstäbchen. Kinder können erbarmungslos hartnäckig sein.
Denn sie geben immer noch nicht auf. Walter meint, wenn er einem Jungen ein paar
Räucherstäbchen abnimmt, dann hat er seine Ruhe. Weit gefehlt, die nächsten sind schon da
und wittern jetzt erst Recht ihr Geschäft. Wenigstens bin ich nun meine Begleiter los. Jetzt hat
sie Walter am Hals. Erst als die nächsten Besucher die steilen Stufen der Pagode erklimmen,
zieht die Meute ab. Viel Spaß ihr da unten.

Jetzt hat Walter wieder seine Mannerschnittenzeit. Ganz hektisch nesselt er seinem Rucksack
herum, bis das Packerl in Händen hält. Stolz präsentiert er es auf der mittleren Plattform in
knieender Siegerpose. Eine weiter Episode für das Familienalbum. Papa 2005 in Myanmar.
Die verbliebenen Schnitten verteilt er unter den Kindern und verdutzt dreinschauenden
Besuchern der Pagode. „Present from Austria“. „You know this sind Mannerschnitten“.
„Verry good“.

Auf Grund der Tatsache, dass wir schon so viele Pagoden, fotografiert und besichtigt haben
ist der Besuch der Hsinbyume Pagode recht kurz. Aber ein Foto, das wir in einem der zahl­
reichen angebotenen Postkartenfolder gesehen haben, würden wir gerne nachstellen. Das Foto
muss aus südlicher Richtung aufgenommen worden sein. Es zeigt die ganze Pagode. Und
wirklich, ein Weg führt unmittelbar südlich an der Pagode vorbei. Aber der Weg ist viel zu
knapp dran. Mit dem Weitwinkel müsste man einen höheren Standpunkt einnehmen, mit dem
normalen Zoom müsste man weiter zurück. Die Bewohner einer kleinen Hütte am
Straßenrand grüßen freundlich und werden gleich Opfer unseres Plans. Sie haben einen etwas
erhöhten Hauseingang. Aber auch von dort ist es nicht optimal.
Die Kindermönche zeigen uns, dass man auf einen Torbogen vor der Pagode klettern kann.
Nicht schlecht und bestimmt wieder eine verbotene Aktion. Weil aber auch die jungen
Mönche herumklettern haben wir kein schlechtes Gewissen.
Nach der gelungenen Aktion ziehen Walter und Christian ab. Es ist ihnen in der Sonne schon
viel zu heiß. Keine Ahnung warum, aber ich bleibe noch ein wenig. Vielleicht weil in meine
Kopf ein Bild mit einer Gruppe Kindermönche vor der weißen Pagode gereift ist. So warte ich
bis sich eine gute Gelegenheit ergibt die jungen Mönche zu fragen, ob sie sich nicht für ein
Foto vor der Pagode postieren können. Die Begrenzungsmauer ist ideal. Da werden sie
eingerichtet. Ein globetrottiger Amerikaner gesellt sich zu mir und partizipiert an der Aktion.
Es werden so ziemlich die schönsten Mönchfotos auf unserer Reise! Und die kleinen wollen 
als Honorar eine Donation fürs Kloster. Natürlich fürs Kloster und ich dachte Mönche dürfen
kein Geld anfassen.

Walter und Christian treffe ich im nächsten Lokal. Wo sonst. Walter bei Bier und Christian
bei Sprite. Beide sind mit Tagebuchschreiben beschäftigt. Außer 2 älteren Damen aus
Frankreich gibt es keine weiteren Gäste in dem Lokal. Essen wollen wir nicht nur die
wohlverdiente Mittagsrast. Walter schwelgt laut in String-Tanga-Träumen und erzählt von
Ungarn, wo das Tragen derselben von der Regierung verordnet scheint, als die zwei älteren
Damen das Lokal verlassen und uns noch eine schöne weitere Reise wünschen. In perfekten
Deutsch versteht sich.

Die Elektrik des Lokals findet sich gebündelt an einer Schalttafel halbhoch neben unserem
Tisch. Schalter, Stecker, Steckdosen und eine Verkabelung die bei uns zu Hause nicht mal
mehr im Museum gezeigt werden darf, findet man hier auf ein Holzbrett genagelt um als
Zentrale zu fungieren. Wie wir aus unserem Erlebnis in Kalaw mit dem Föhn bereits gelernt
haben gibt es in Myanmar keine Sicherungen. Warum auch das Stromnetz bricht bei einem
Kurzschluss vorsichtshalber von selbst zusammen. Ist auch vollkommen egal solange es
kühles Bier gibt.

Von dem beschwerlichen und vor allem gefährlichen Aufstieg auf die Minguin Pagode habe
ich mehrmals gelesen und von anderen Reisenden gehört. Man muss beim Hinaufgehen
verflixt aufpassen um nicht auf losem Ziegelwerk der immens steilen Treppe auszurutschen.
Oben ist es sowieso abenteuerlich und man darf nicht zu Nahe an den Rand.
Trotzdem wollen Christian und ich den Aufstieg wagen. Walter bleibt mit Bier gut versorgt
zurück. Die erste Vorbereitung ist das entledigen der Schuhe. Auch hier gibt es kein Betreten
in Schuhwerk. Die Rucksäcke lassen wir bei Walter und los geht es. Zuerst geht es über einen
angeschütteten Hügel mit schönen Ziegelstufen. Blosfüßig etwas heiß, aber das beschleunigt
nur unser Tempo. Im Schatten, etwa auf halber Höhe hat man dann Zeit das erste Mal
hinunter zu schauen. Noch nicht sehr Hoch und gar nicht beängstigend. Die Treppe wird ein
wenig steiler und auch schmäler, aber es gibt keine losen Ziegel. Das bleibt so bis wir ganz
oben sind. Zwei Mal hat die Treppe die Richtung geändert und sich durch das vom Erdbeben
abgebrochene Eck geschlängelt.
Das Dach der Pagode schaut so gar nicht nach Dach einer Pagode aus. Keine Ahnung wie
normalerweise das Dach einer Pagode auszuschauen hat. So aber bestimmt nicht. Durch die
große Fläche hat sich im Laufe der Zeit genug Humus angesammelt und wenn der schon mal
da ist, dann lässt der Bewuchs nicht auf sich warten. Ein Wiese und sogar kleine Bäumchen
gibt es auf dem Dach Ziegelhaufens. Tiefe Spalten, die an das Erdbeben erinnern durchziehen
nicht nur die Front der Pagode sondern teilen sie fast in mehrere Teile. Über die Spalten sind
kleine Ziegelbrücken errichtet. Dem europäischen Sicherheitsstandard bestimmt nicht
entsprechend, aber wir sind eben nicht in Europa. Trotz meiner Höhenangst fühle ich mich
überhaupt nicht beängstigt in 50 m Höhe.
Noch immer ist es diesig. Aber man hat einen schönen Ausblick auf die Hsinbyume Pagode
auf den Irrawady und ins Hinterland. Das Hinterteil der beiden zerstörten Chinthe schaut von
hier oben eher wie das von 2 Elefanten aus.
Der Abstieg ist viel einfacher. Walter wartet schon mit einem Bier auf mich. Dann umrunden
wir den riesigen Ziegelhaufen ein letztes Mal. Das muss sein, denn die Sonne hat jetzt die
Seite gewechselt.

Bereits vor einer Stunde hat das Touristenboot abgelegt. Eine Stunde waren wir jetzt ganz
allein. Die Verkäufer haben längst aufgegeben uns was aufschwatzen zu wollen und so war es
eine sehr ruhige Stunde.

Der Blue Taxi Driver war ein wenig nervös, da er nicht die ganze Zeit auf uns gewartet hat
und erst kurz vor unserer Rückkunft bei der Bootsanlegestelle in Mandalay angekommen ist.
Nervös hätte er nicht sein brauchen. Wir sind doch immer ein wenig später dran als geplant.
Aber so kann er mit uns das Restprogramm des Tages durchführen.

Zuerst in den Nachbau des Mandalay Palace der 1942 bei Kämpfen zwischen Indern und
Japanern niedergebrannt wurde. Er ist zwar jetzt originalgetreu nachgebaut. Hat aber völlig an
Charme verloren, da es den berühmten Glaspalast in seiner ursprünglichen Form nicht mehr
gibt und alle Gebäudeteile aus Beton sind. Sehr sterile, sehr runde Säulen, sehr kantiges
Erscheinungsbild. Schade, aber eigentlich den Besuch nicht wert.
Wenn man den Wassergraben über die Brücke hinter sich lässt und das Tor durch die 2 m
dicken Mauern passiert hat man irgendwie eine Erwartungshaltung, die leider nicht erfüllt
wird. Zuerst fährt man lange an militärischen Anlagen vorbei, deren Betreten nicht erlaubt ist.
Man darf nur diese Hauptstraße benutzen die schnurgerade zum Palast führt. Es kommt einem
nicht vor als wäre man in einer großen Palastanlage. Die Straße könnte überall in Mandalay
sein.
Einen Teil des Palastes darf man wiederum nur bloßfüßig betreten. Wir lassen die Schuhe
zurück, da wir nicht wissen, dass man sie nur für den kleinen heiligen Teil auszu­ziehen
braucht. Die schön gepflegten Rasenstücke und die goldfarben gesäumten  Dächer des
ehemaligen Königspalastes gegen den blauen Nachmittagshimmel bringen aber das
Gesamtbild nicht mehr ins Lot. So wendeln wir uns an dem Aussichtsturm hoch um kurz
einen Rundblick zu machen.
Guten Tag Herr Schauer. Unsere kleine Nebengeschichte geht weiter. Aber wir werden den
netten alten Herrn wohl nicht mehr treffen. Seine Route ist zwar ähnlich, aber mit einem
anderen Zeitplan. Schöne Reise noch. Dann verlassen wir den Palastbereich wieder.

Vorgestern beim Teakholzkloster ist mir eine Chinthe Figur aus Bronze ins Auge gestochen.
Weiters hat Walter bereits einen Bettelgong aus Kupfer erstanden. Vielleicht gelingt es mir
beim Kloster zuzuschlagen. Wie immer herrscht ziemlicher Aufruhr wenn 3 potentielle
Kunden sich gleichzeitig für Souvenirs interessieren. Alle wittern das große Geschäft. W+C
nehmen je einen Gong für 2000 Kyat und ich handle den Chinthe um 15.000 Kyat zusammen
mit einem Gong um 5.000 Kyat auf gemeinsame 10.200 Kyat herunter.

Jetzt würde es von der Zeit ganz gut passen den Sonnenuntergang am Wassergraben des
Mandalay Palace zu genießen. Und so ziehen wir dem kühlen Bier das nordöstliche Eck des
Fort’s vor. Walter wird von einem Mönch angesprochen und unterhält sich angeregt.
Christian hat es sich Tagebuch schreibend gemütlich gemacht und ich spaziere Richtung
Sonne.
Leider ist das Wasser brackig und es schwimmt sehr viel Unrat im Wasser, so dass glasklare
Spiegelungs- Fotos nicht möglich sind.

Vom Blue Taxi Fahrer lassen wir uns noch beim Email-Office absetzen. Er möchte unbedingt
die morgige Fahrt nach Pin U Lwin mit uns machen. Aber wir haben ob des kleinen und
langsamen Gefährts bereits ein Taxi beim Hotel bestellt. So verabschieden wir uns von ihm
und bedanken uns für seine Dienste. Er scheint ein wenig enttäuscht.

Auf dem Weg zum Abendessen ins BBB kann es Walter nicht lassen in einem kleinen
Geschäft einen Kugelschreiber zu kaufen. Aber es wäre nicht Walter wenn das problemlos
von statten gehen würde. „Do you have Kugelschreiber – Pen zum schreiben – you know pen,
pen !!“ und er kritzelt mit einer Handbewegung Zeichen in die Luft. Da wird er endlich
verstanden und der gewünschte Pen wird gereicht. 450 Kyat malt die Verkäuferin auf einen
Zettel. „Oh Maria, too expesive much too expensive, I’m not a rich man“ sprachs und
versucht zu handeln. Keine der anwesenden Damen versteht ihn und was er jetzt schon wieder
möchte. Das geht eine Zeit lang ohne weitere Fortschritte. Walter ist’s zu teuer und die
Damen stehen wie große Fragezeichen vor ihm und lächeln. Hätte ich nicht einen Pen um 150
Kyat entdeckt. Walter würde Myanmar unglücklich verlassen haben.

Das BBB ist für hiesige Verhältnisse sehr teuer. Das Essen sehr gut, aber nicht aufregend. Auf
dem Heimweg wollen wir noch einen Sprung in das 5 Stern Hotel Sedona um Briefmarken zu
kaufen. Eine andere Welt. Selbst für Europäische Verhältnisse eine andere Liga. Die Reste
des Gala Diners im Garten werden gerade weggeräumt. An der Bar mit Klavierspieler hätten
wir gerne ein Bier getrunken, aber ein Blick auf die Preisliste sagt uns wir sollen den
Blödsinn lieber lassen. Und ich dachte die Hotels in denen wir logiert haben sind schon die
etwas gehobeneren. Hätte ich nicht einen Blick ins Sedona geworfen, ich würde es heute noch
glauben.

Nach dieser Geschichte überkommt Walter das Verlangen seine used T-Shirts unter das Volk
zu bringen. Er verschenkt sie auf der Straßenseite gegenüber von unserem Hotel. Jetzt kann er
beruhigt schlafen. Gute Nacht.

Daten zum Tag:
Boot nach Minguin: 8.000 Kyat
Bronze Chinthe + Bettelgong: 10.200 Kyat oder 11 U$ + 200 Kyat

 

 
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