Eine Reise durch's goldene Land
Indein
M0 31.01. 2005 Die Hügel von Sagain und die U Bein Bridge von Armarapura
 

07:30 Uhr, heute haben wir viel vor und sollten früher starten. Das blue Taxi ist reserviert und
wartet ab 09:00 Uhr. Plötzlich ist der Weg zurück in das Badezimmer versperrt. Es war nicht
sinnvoll die Türe zu schließen! Aber was soll’s, das Schloss hat den Geist aufgegeben. Ein
burmesischer Schlosser muss her.
Währenddessen wir auf den Handwerker und die folgende Reparatur warten, wird das übliche
Frühstück aus Erdbeermarmelade und geröstetem Toastbrot verdrückt. Inzwischen sollte die
Türe gerichtet sein, ist sie aber nicht. Kein Schlosser weit und breit. Mit burmesischer
Gemütlichkeit treffen die beiden Schlosser ein und beginnen ebenso gemächlich mit ihrem
Werk. Duschen fällt heute flach, das sind wir eigentlich schon gewohnt.
30 Minuten verspätet starten wir die Fahrt nach Sagain Hill. Am Irrawady hat man normaler-
weise einen guten Blick zu den Hügeln. Aber es ist heute viel diesiger als sonst und ein
Fotostopp rentiert sich nicht. Das kleine blue Taxi quält sich auch heute, die steile Straße zu
den Pagoden hinauf. Umin Thounzeh, genannt die Höhlenpagode mit den 45 Buddhastatuen,
ist das erste Tagesziel. Die 30 höhlenähnlichen, in einem lang gezogenen Bogen an­geordneten
gemauerten Eingänge, verleihen dieser Pagode den Namen. Zuerst aber müssen wir den ca.
200 m langen überdachten Walkway hinter uns bringen. Der Reiseleiter meint: „Nein ein
Stativ ist nicht notwendig. Das können wir ruhig im Auto deponieren!“ Jeder unnötige Ballast
wird gerne zurück gelassen. Der Reiseleiter irrt mit diesem Tipp aber gewaltig. Deshalb wird
er einstimmig zum Stativholen eingeteilt. Na dann geh ich halt runter und mache meinen
Fehler wieder gut. Walter und Christian haben inzwischen die Lage erkundet und sind der
Meinung, die hässlichen Spendenboxen, die vor den Buddhas platziert sind, müssen weg. Der
Wächter hat keinen Einwand und so wechseln 5 dieser Geldbehälter vorübergehend ihren
Standplatz. Verdutzt beobachtet er uns, schrullige Touristen hat er sich ganz sicher gedacht.
Sein Lächeln scheint eingefroren, er bleibt skeptisch aber freundlich. Die Fotosession beginnt.
Gar nicht unterbrochen von anderen Touristen oder Pilgern. Wir sind anfänglich die einzigen
Besucher der Höhlenpagode. Nach dem Aufräumen hat Walter bald genug. Den Weg ganz
hinauf auf den Hügel erspart er sich. Christian begleitet mich. Unterwegs können wir
beobachten, wie das Geld aus den Spendenboxen gezählt wird. Fast der ganze Boden des
Geld-Zähl-Raumes ist mit Kyat Scheinen bedeckt. Der Tisch biegt sich sprichwörtlich unter
der Last der Bündel. Oben angekommen, bietet sich ein Ausblick rund um den Sagain Hill.
Unglaublich wie viele weiße Tupfen sonst noch bis weit in der Ferne in allen Richtungen
auszumachen sind. Unter den vielen für uns namelosen Pagoden entdecken wir das über-
nächste Ziel. Die einem Frauenbusen nachempfundene Kaunghmudaw Pagode. Ein ganz
schönes Stück von hier entfernt. Auf dem Rückweg mach ich noch einen Abstecher zu den
vielen Eingängen der Pagode. Eine Gruppe Burmesinnen hat sich dort für ein Foto,
zusammen mit einem Mönch, aufgestellt. Ohne Widerspruch zu akzeptieren, winken sich
mich in ihre Mitte um ein zusätzliches Andenken mitzunehmen.
Wieder unten angekommen, sitzen Walter und Christian gemütlich in einer der Buden, die
sich rund um den Parkplatz angesiedelt haben. Eine Erfrischung tut gut, denn trotz der
morgendlich für uns angenehmen Temperaturen, ist es zwischenzeitlich doch recht heiß
geworden.
Auf dem Hügel gibt es noch einen interessanten Aussichtspunkt. Von der Terrasse der Soon
U Ponya Paya
kann man ein prächtiges Irrawady-Panorama genießen. Die Ausläufer des
Sagain Hill enden am Ufer des Flusses. Leider hat die dunstige Luft ihre Feuchtigkeit immer
noch nicht abgegeben, denn selbst mit Polfilter ist kein optimales Foto hinzubekommen.
Im inneren der Pagode sitzen übergroße Bronzefrösche. An einigen Stellen vollkommen blank
gestreichelt. Immer wenn es möglich ist soll man sich Verdienste für die Zukunft oder gar für
das nächste Leben erwerben. Deshalb nehmen es alle Buddhisten als Pflicht, dem Frosch
Anerkennung zu zollen und ihn gnadenlos zu liebkosen. Die Wände, die Säulen und die
Decke sind mit Mosaikspiegeln bedeckt. „Touching the earth“ wird die Hand und Körper-
haltung genannt in der die Buddha Statue sich präsentiert. Mit den Fingerspitzen der rechten
Hand den Boden berührend und der nach oben geöffneten Linken, wartet er auf die
Erleuchtung. Die häufigste Darstellung des Buddhas, im Fachchargon Bhumisparsa genannt.
Auf dem kurvigen Weg zurück in die Ebene, wird die Hupe des Taxis auf das äußerste
strapaziert. An Ausweichen wird nicht gedacht. Der Schwächer hat die Pflicht auf die Seite zu
springen. Meist sind es Fußgänger und Radfahrer die Platz machen müssen. Jetzt zeigt sich,
dass es auch von Vorteil sein kann mit einem rechtsgesteuerten Fahrzeug auf der rechten Seite
zu fahren. Bei kleinen Hindernissen und Überholmanövern ist es nicht nötig so weit
auszuholen. Entgegen­kommende LKW’s drehen aber den Spieß um. Auf dem Vordersitz
erfreue ich mich immer wieder der Action-Erlebnisse mit dem Gegenverkehr und den zu-
gehörigen Ausweichmanövern.

Walter ist nicht derselben Meinung wie ich, als er die Kaunghmudaw Pagode schon von
weitem entdeckt, Radar­station ist seine erste Assoziation. Da tut sich die im Lonely Planet
festgehaltene Beschreibung „einem perfekt geformten Frauenbusen nachempfunden“ dagegen
schwer.
Wir durchqueren den rot-goldenen Torbogen und parken mit dem kleinen blue Taxi direkt
neben dem Haupteingang der Pagode. Wie immer heißt es raus aus den Socken und rein in
den heiligen Bereich.
Die Stände neben dem Eingang, die normalerweise intensiv nach Käufern Ausschau halten
sind ganz auf Mittagspause und Siesta eingestellt. Auf Pritschen, aber auch direkt am Boden
hinter den Ständen wird gepaust. So haben wir ungestörten Zugang zu den sonst oft
aufdringlichen Verkäufern und ihren Waren.
Sandelholz und die zugehörigen Reibsteine werden hier feilgeboten. Eine Mutter demonstriert
an ihrem Sprössling, wie zuerst das Holz auf dem Stein mit ein wenig Wasser zerrieben und
dann im Gesicht des Kindes verteilt wird. Sonnenschutz wie er hier in Myanmar als einzig
verfügbares Mittel verwendet wird.
Christian möchte ein Foto von dem Mädchen machen, dem etwas weiter hinten die Haare
gewaschen werden. Sie gibt ihm zwar keine negative Antwort, ist aber durch seine Versuche
einen guten Standplatz zu finden, etwas scheu und wendet ihr Gesicht schüchtern ab.
Der weiträumige Bereich um die halbkugelförmige Pagode ist spärlich besucht. Einheimische
sind so klug sich in der Mittagshitze möglichst im Schatten zu halten, oder erst gar nicht
irgendwelche Besichtigungen durchzuführen.
Die Pagode hat mit den 50 m am höchsten Punkt recht ansehnliche Abmessungen. 812
Steinpfosten säumen in einem Kreis die Pagode und auf ihnen werden zum Lichtfest kleine
Öllämpchen entzündet.
Irgendwo hab ich gelesen, dass man einem der Vögel, die hier an den Verkaufsständen
angeboten werden, die Freiheit schenken sollte. Es bringt Glück. Aber wenn ich an den Zegyo
Markt in Mandalay denke, dann könnte der Verkauf durchaus einen lukullischen Hintergrund
haben.
Walter und Christian machen sich zu Fuß auf den Weg zum etwa 150m entfernt gelegenem
rot-goldenen Tor. Ich folge mit dem Taxi und nach dem Abschlussfoto geht es weiter.
Himmel, wen sollen wir mit dieser fast unendlichen Anzahl von Pagodenfotos quälen?

Unserem Blue Taxi Fahrer ist irgendwie aufgefallen, dass wir gerne fotografieren. Hat er es
an den großen Rucksäcken, den Stativen oder gar dem Umstand, dass wir keinen vereinbarten
Zeitpunkt pünktlich einhalten können, erraten. Ich weiß es nicht, aber auf der Fahrt Richtung
Mittagessen meint er, dass er für uns einen extra fotogenen Platz kennt, den er anderen Gästen
normalerweise nicht zeigt. Wir wissen ihn aber bestimmt zu schätzen.
Na gut, Hitze, Hunger und Durst auf ein königliches Myanmar sprechen zwar dagegen, aber
tun wir ihm den Gefallen. Und zuerst schaut der Platz wirklich nicht spektakulär aus. Vorbei
an kleinen Tümpel finden wir dann eine Gruppe kleiner Ziegelpagoden im Gestrüpp. Ein
Sandweg, der die Pagoden umrundet und der davor liegende Feuerplatz runden das Bild nicht
optimal ab. Wenn aber plötzlich der passende Ochsenkarren des Weges kommt, muss man
schnell reagieren um den Augenblick festzuhalten.
Genau so verfallen wie die Ziegelpagoden, steht etwas weiter hinten ein mächtiges Steinhaus,
dass schon bessere Zeiten erlebt hat. Wie bei großen Palästen sieht man Rundbögen, große
Veranden, eine Treppe in den ersten Stock und schöne in Stein gehauene Verzierungen. Die
Natur hat dem Gebäude durch Büsche und Ranken ziemlich zugesetzt. Wind und Wetter die
Substanz schon sehr angegriffen.
Langsam treibt der Hunger zurück zum blue Taxi. Es ergibt sich, dass gleichzeitig mit mir 2
junge Mädchen vor den Pagoden ankommen. Kudernd und kichernd bleiben sie zwar kurz für
ein Foto stehen. Als Models scheinen sie nicht geeignet.

Das Happy Gem Restaurant mit dem Charme einer Bahnhofshalle, bietet kühles Bier
schnelles Service und bewirtet ausschließlich Pauschaltouristen. Busweise werden sie
angekarrt die lärmenden Gäste aus Deutschland sowie Frankreich, wie wir anhand der
Sprache erkennen können. Kein wirklich empfehlender Platz um sich der Mittagsruhe zu
erfreuen. Uns hat der blue Taxi Driver hier abgesetzt um uns in ein schönes Restaurant zu
bringen. Er hat bestimmt noch nie einen Fuß über die Schwelle gesetzt. Und so sind wir nach
dem Essen und einigen kurzen Nachträgen im Tagebuch schnell wieder draußen aus dem
vollklimatisierten Touristen-Tempel.

Zurück über die einzige Brücke über den Irrawady weit und breit, eine uralte Eisnebrücke.
Wie so oft muss der Driver eine kleine Gebühr zahlen. Einheimische sind meist frei. Taxis
mit ausländischen Besuchern müssen zahlen. 

Armarapura erreichen wir einige Zeit vor Sonnenuntergang. Gerade richtig um einmal bis
zum anderen Ende der 1200 m langen Teakholbrücke zu spazieren und dann gemütlich in
einem Boot auf den Sonnenuntergang zu warten. So haben wir uns das gedacht. Aber was ist
da los? Warum gibt es einen kleinen Fährverkehr unter der Brücke? Schade, die Brücke hat
im letzten Monsun gröberen Schaden genommen und wird nun aufwendig zerlegt und wieder
in Stand gesetzt. Die Fehler der ersten stümperhaften Versuche dieser Art sieht man noch in
Form von hässlichen Betonpfeilern und sollen wohl nicht wiederholt werden.
Nach kurzer Verhandlung mit einem Bootsfahrer, spazieren wir die ersten 200m auf der
Brücke, klettern den Abstieg hinunter zum Fundament der Brücke, lassen uns übersetzen und
steigen auf der anderen Seite wieder auf die U-Bein Bridge.
Es herrscht trotzdem reger Verkehr auf der Brücke. Wir vertreiben uns die Zeit und
beobachten was sich auf und um die Brücke so tut. Etliche Mönche sind auf dem Weg zurück
in ihre Klöster und nutzen die Brücke-Boot-Brücke Kombination. Viele Familien wollen vor
Einbruch der Dunkelheit zurück in ihre Häuser und einige Fischer fahren mit ihrem Fang
unter der Brücke durch. Mit 3 Mönchen aus einem der nahen Klöster kommen wir ins
Gespräch. Die typischen Mönch-Brücke Fotos werden gemacht und schon ist die Zeit reif für
den nächsten Programmpunkt. Sonnenuntergang im Boot hinter der U-Bein-Bridge. Der
Bootsführer wartet schon und paddelt uns zuerst vor den knorrigen alten Baum. Im
monochromen Gegenlicht ein fast gespenstischer Anblick. Zurück geht es unter der Brücke
durch, zur Warteposition für den schönsten Moment des Tages. Eigentlich sind wir bisher von
der U-Bein-Brücke enttäuscht, aber daran sind hauptsächlich die Restaurierungsarbeiten
schuld. Der phantastische Sonnenuntergang, bei dem der orange Ball vor feuerrotem Himmel
zwischen den Pfosten der Brücke am Horizont versinkt, entschädigt dann aber für alle Mühsal
des Tages. Der erwartete Andrang den Sonnenuntergang auf dem See zu erleben und sich mit
den anderen Booten um den besten Platz raufen zu müssen ist vollkommen ausgeblieben. Nur
ein zweites Boot treibt gemütlich neben unserem.
Die tolle Stimmung lassen wir bei einem Bierchen nahe der Brücke ausklingen. Jetzt sind wir
absolut die letzten Besucher. Eigentlich wie immer. Der Blue Taxi Driver wartet schon und
wir haben eine Überraschung für ihn. Einen weiteren Fahrgast zurück nach Mandalay.
Eigentlich eine Fahrgästin. Er stöhnt ganz schön, denn insgesamt 5 Personen sind in seinem
Taxi noch nie mitgefahren. Er willigt ein. Nein ich möchte meinen üblichen Platz am
Beifahrersitz nicht tauschen. Und so müssen Walter und Christian schön zusammenrücken.
Tun sie aber gern für das Mädl in ihrer Mitte.
Sie will sich eine Aufführung des Marionettentheaters gleich neben unserem Hotel anschauen.
Da lehnen wir dankend ab. Das ist nichts für hungrige Grazer. Lieber ein anständiges
Abendessen und dann ab ins Bett. Aber wohin soll es heute gehen. Keiner hat Lust auf lange
Spaziergänge und für die meisten Lokale ist es schon zu spät. Wir gehen gleich ums Eck in
das Biergarten ähnliche Lokal. Unseren Fahrer treffen wir auch dort. Der Geruch den das
Gebäude nebenan verströmt ist nicht sehr einladend. Trotzdem bestellen Walter und Christian
den üblichen fried Rice. Ich versuche einen gebratenen Maiskolben, der recht lecker
schmeckt. Leider war es der letzte. Unser Driver setzt sich zu uns an den Tisch. Wir tratschen
ein wenig bei einem Bier und machen uns dann auf den Heimweg. Zufälligerweise ist die
Vorstellung des Marionettentheaters gerade aus. Guten Abend Herr Schauer. Wie hat ihnen
die Aufführung gefallen.

Daten zum Tag:
Essen im Happy Gem (2 Bier, 1 Sprite, 3 fried Rice): 10.000 Kyat
Bootsfahrt zu Sonnenuntergang an der U-Bein Brücke: 2.000 Kyat
Blue Taxi: 25 U$

 

 
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