Eine Reise durch's goldene Land
Indein
Sa 29.01. 2005 Taxifahrt von Kalaw über Pindaya nach Mandalay
 

06:30 Uhr, Tok – Tok – Tok, Walter öffnet die Türe. Wir haben heute keinen Weckdienst be-
stellt. Sie müssen sich in der Tür geirrt haben! Yes, Yes und weg war er. Dafür darf ein
Anderer länger schlafen!
Taschen packen und nach dem Frühstück eine Info für die Daheimgebliebenen. Pünktlich, wie
vereinbart um 09:00 Uhr Abfahrt nach Pindaya, zu der Höhle mit den über 8000 Buddha-
statuen.
Der Taxifahrer spricht „a little english“ was soviel bedeutet wie daß er schon von dieser
Sprache gehört hat. Auf jeden Fall darf ich aus 2 Gründen vorne sitzen. Erstens hat Christian
absolut keine Lust sich mit den Taxifahrern zu unterhalten und zweitens wird immer
geknobelt um der Fahrweise der Burmesen nicht fußfrei ausgeliefert zu sein. Meist wird
schneller gefahren als Straße und Taxi es erlauben. Dieses Taxi aus Mandalay hat auch schon
bessere Zeiten erlebt. Daß die Stoßdämpfer nicht mehr so gut funktionieren wird noch von
den durchgewetzten Autositzen abgefangen. Aber die direkte Einleitung der Abgase ins
Wageninnere wird uns die nächsten knapp 12 Stunden begleiten und zermürben. Das Fenster
zu öffnen hat keine weitere Auswirkung. Da die Türen und Fenster schlecht schließen ist es
vollkommen egal ob die Scheibe rauf oder runter gekurbelt ist. Und später wenn wir die
steilen Paßstraßen hinunter kurven werden, das Tempo einigermaßen angepasst und viel
langsamer sein wird, da wird auch dieser Luftzug einschlafen und die Abgase sich im
Wageninneren festsetzen.
Aber um überhaupt eine so weite Strecke in Angriff nehmen zu können, nein weit ist es nicht,
die Fahrtzeit ist lang, muß ordentlich getankt werden. Und Tanken in Myanmar hat Charme.
Man benötigt einen großen schmierigen Trichter, ein Maßgefäß um eine Gallone einzufüllen,
zwei Personen und einen kleineren Becher zum Umfüllen. Der Trichter wird in die Tank-
öffnung gesteckt und dann wird der Treibstoff umgefüllt. Wir haben vor einer typischen
burmesischen Tank­stelle halt gemacht. Die Tankstelle besteht nur aus einer Bretterbude.
Davor ein kleiner Verkaufsstand mit Strohdach, darunter stehen schön aufgereiht Glas-
flaschen Marke Motoröl. Aber dieses scheint unseren Fahrer nicht so wichtig zu sein. Die
Öldruckkontrolle meldet die gesamte Fahrt, daß wirklich nachgefüllt werden sollte. Wen
kümmerts?
Da war ihm der Reifendruck vorne rechts schon wichtiger. Ein erneuter Stopp an einer
ähnlichen Bude. Diesmal allerdings mit riesigem Generator. Aber die Jungs an der Luftpumpe
hatten Pech. Sie konnten auf den 100 Kyat Schein nicht rausgeben. Immerhin knappe 7
Eurocent.
Weitere Servicestopps gab es bis Pindaya nicht. Nur die üblichen Fotopausen. Schönen Guten
Tag Herr Schauer. Gemütlich bereitet er sich, seine Frau und die Kamera auf Äkschn vor.
Leider steht uns dabei sein Taxi mitten im Bild herum.

Pindaya ist schon von weitem auszumachen. Der überdachte Walkway führt vom See hinauf
zum Höhleneingang. Wir sind die letzten Tage genug gewalkt und lassen uns hinauf
chauffieren. 2 Stunden hat es gedauert die 40 km recht enge und beschauliche Straße,
in der hügeligen Umgebung, hinter uns zu bringen.
Der Parkplatz vor dem Höhleneingang ist vereinsamt, kaum Besucher haben sich hierher ver-
irrt. Jedenfalls sind in der Höhle keine Massen zu erwarten. Mit dem Lift geht es das letzte
Stück hinauf und schon steht man mitten unter den mit Plattgold überzogenen Buddhas aus
Bronze, Marmor oder Gips. Von Mini bis riesig kann man viele Zwischengrößen entdecken,
die alle von Pilgern gespendet wurden. Schmale Buddha gesäumte Gänge durchziehen die
Höhle wie ein Labyrinth mit Rundwegen, Kreuzungen und Sackgassen rund um eine kleine
goldene Stupa (Shwe Umin Paya). Kleine Nischen im hinteren Bereich der Höhle dienen als
Meditationsräume. Durch den engen Schlurf schafft man es nur als schlanker Burmese oder
gelenkiger Europäer. Ich will da gar nicht rein! Die Temperatur ist angenehm, auch ist es
nicht zu feucht und glitschig. Die Wege sind betoniert und trittfest.
Unser Taxifahrer ist auch zum ersten Mal in der Höhle und ist sichtlich überwältigt. Während
unserer Belichtungszeitfotoexperimente läuft er immer wieder ganz aufgeregt vorbei. Schade,
daß er nur a little English spricht. Die Höhle wird zwar immer belebter, aber man hat noch gut
Platz. Jetzt sind auch die ersten Busse eingetroffen, natürlich auch Herr Schauer. 2 Stunden
lang sind wir durch die Höhle gestreift, die vielleicht 50 m im Durchmesser hat. Es wird also
Zeit Richtung Mandalay weiterzufahren.

An der Kreuzung war geplant nach Norden über den Paß zu stechen. Leider ist der Lenker mit
dieser Idee absolut nicht einverstanden. Für sein Taxi nicht machbar. Mit Händen und Füßen
macht er uns klar, daß der Weg quasi unpassierbar sein und er zeichnet riesige Schlaglöcher
in die Luft. Der Dschungel ist auch viel zu dicht. Keine Diskussion, dort wird nicht gefahren.
Na schön, aber unser Zeitplan kommt damit etwas durcheinander. 13 Meilen zurück auf die
Hauptstraße und dann erst nach Norden. OK, was soll man machen. Nach einer knappen
Stunde sind wir wieder an der Abzweigung.

Die verdiente Kaffeepause um 16:00 Uhr ist Halbzeit der Tagesreise. Allerdings soll der
weitere Weg viel beschwerlicher werden. Kaum vorstellbar, wenn man die letzte Stunde
Revue passieren lässt. Einspurig, mit nicht befahrbarem Bankett und dem Rippelasphalt.
 
Statt Kaffee gönnen wir uns einen frisch gepressten Orangensaft. Die schön gestapelten
Orangenpyramiden an den Standeln animieren dazu. Die Stärkung war auch bitter notwendig,
denn die Rumpelpiste über den Paß wird immer rumpeliger, die Aussicht allerdings immer
fantastischer. Bald aber verlässt uns die Sonne und es wird rasch Abend. Glück und Pech,
denn hätte die Initiationsfeier früher angefangen, dann hätten wir sie verpasst. So können wir
dem Zug beiwohnen, der sich großartig geschmückt und mit vielen Gaben, langsam Richtung
zum Platz der Feier bewegt. Auf  Ochsenkarren und Pferden sitzen die Buben, die schon bald
für einige Tage in die Fußstapfen Buddhas treten werden und um die Aufnahme in ein Kloster
bitte. Die jüngsten sind nicht viel älter als 2 Jahre und wissen bestimmt nicht was mit ihnen
passieren wird. Mitten drin plärrt ein übersteuerter Lautsprecher in voller Lautstärke. Schade,
daß nicht allzu viel Zeit bleibt, denn der Zeremonie hätte ich gerne ein wenig länger
beigewohnt. Aber wir müssen dringend weiter zum nächsten Event, dem schon längst
überfälligem Reifenplatzer. Mit dem Licht unserer Taschenlampen leuchten wir dem Fahrer
beim Wechseln und warnen die nachkommenden Fahrzeuge, die auch nicht besser beleuchtet
sind. Aus allen Richtungen tauchen Schaulustige auf. Endlich mal was los hier. Und wären
wir in der Bronx unterwegs, dann würde die Geschichte hier enden.
Warum wir fast den gesamten Rest der Strecke nach Mandalay dicht hinter einem fürchterlich
rußenden LKW picken wird uns erst bewusst, nachdem der Stinker abgebogen ist. Es ist trotz
vermindertem Tempo 40 nichts mehr zu erkennen. Die Rücklichter sind weg. Also warten auf
den Nächsten und inzwischen nur die eigenen Abgase tief einatmen. Aber wir haben Glück,
die 2 stündige Verfolgungsjagd hat uns nicht nur an den Rand einer Kohlendioxidvergiftung
sondern auch von Mandalay gebracht.
Das Mandalay View erreichen wir gegen ½ 9 Uhr Abends. Und nach einem mittagessenlosem
Reisetag sind wir froh, daß das Luxusrestaurant Green Elephant nur 5 Minuten entfernt ist.
Für Myanmar Verhältnisse eigentlich viel zu spät um Abendessen zu gehen. Aber was sollen
die armen Kellner mit uns machen. Sie müssen uns ein Bier und eine Hauptspeise servieren.
Nicht zum ersten Mal sind wir die letzten Gäste. Ein langer Tag geht zu Ende.

Daten zum Tag
Taxi Kalaw-Pindaya-Mandalay 53.000 Kyat
Eintritt Pindaya 3 U$, 200 Kyat Fotogebühr
Mandalay View Inn 40 U$ Zimmer / Nacht für 3 Betten
Abendessen im Green Elephant um 6000 Kyat / Person (Luxus), 3000 – 3500 Hauptspeise, Bier 1500

 

 
eine Seite zurückeine Seite vor