Eine Reise durch's goldene Land
Indein
Fr 28.01. 2005 Trekking von Kalaw zu einem Longhouse
 

07:00 Uhr, 10 Grad Celsius. Duschen zahlt sich nicht aus. Nach Frühstück und 3
Morgenzeremonien Walters brechen wir zur Trekkingtour in die umliegenden Hügel
von Kalaw auf. Entlang sandiger Straßen mit vielen Häusern im Kolonialstil verlassen wir mit
Michel unserem Führer, Kalaw und erreichen bald den Stadtrand. Die Häuser werden
einfacher. Bambushütten mit Strohdächern, viele sogar an das Elektrizitätsnetz angeschlossen
oder mit Satelitenantennen. Die ersten Bettelmönche beim Ausüben Ihrer eigentlichen
Aufgabe, Speisen für das letzte Mahl des Tages um 11:00 Uhr sammeln, kommen uns
entgegen. Vorne weg wird mit einem Bettelgong Aufmerksamkeit erregt. Aus vielen Hütten
und Häusern stellen sich die Menschen an um den Mönchen eine Kleinigkeit mitgeben zu
dürfen. Alles wandert in schwarze Lackware Bettelschalen.

Alles in Deckung, was kommt denn auf uns zu? Ein Ochsenkarren mit seinem Steuermann,
der im Streitwagenstil die etwas abschüssige Straße direkt auf uns zu rast. Wenn es hier
Radarüberwachung gäbe, mit den 15 – 20 km/h war das schon fast gemeingefährlich.

Wer sich an Betelnüssen erfreuen möchte, der ist in diesem Land gut aufgehoben. Michel
besorgt in einem kleinen Laden ein paar Süßigkeiten für die Kinder in den entlegenen
Dörfern. Und da sehen wir zum ersten Mal wie Betelnüsse für den Verzehr vorbereitet
werden. Auf ein grünes Blatt wird eine weiße Paste geschmiert, die Nüsse dazugegeben und
in den Mund gesteckt. Dort bleibt es solange der Kauer Lust hat und zum Schluß irgendwo
hinspuckt. Diese Betelnußentlagerstätten fallen überall auf, die rote Farbe signalisiert
„Achtung nicht hineintreten, grauslich“.
Ein Mopedfahrer mit skurrilem Nazihelm taucht auf und nimmt sich einige Portionen dieser
Gebissverfärbenden Nüsse mit. Fast die gesamte Bevölkerung gibt sich diesem leicht
berauschenden Genuß hin. Und es ist nicht immer leicht seinem Gegenüber nicht dauernd auf
die rot verfärbten Beißer zu glotzen.

Einige Zeit später treffen wir einen Schulkollegen von Michael, der hier in vollkommener
Einsamkeit seine Arbeit auf den Feldern verrichtet. Er ist nicht verheiratet, da er sich
zusätzlich um seine alte Mutter kümmern muß. Momentan ist es aber wichtiger auf die
bestellten Felder aufzupassen, da sie im Falle seiner Abwesenheit von anderen abgeerntet
würden. Die Ingwer Ernte ist aber eingebracht und hat vergangenen Nacht in einer Tonne in
einem Erdofen gekocht. Jetzt wird der ganze Ingwer zerteilt und in der Sonne zum Trocknen
aufgelegt. Dafür hat er extra ein kleines Stück seines Gartens brandgerodet.

An der nächsten Weggabelung entscheidet sich Michel wegen unserer schweren Rucksäcke
für den leichteren flachen und gut ausgebauten Weg. Warum gibt es in einer so abgelegten
Gegend eine 5m breite Straße und warum ist sie frisch gebaut oder neu hergerichtet ? Diese
Frage wird kurz darauf beantwortet. Ein Trupp aus Männern, Frauen und Kindern bewaffnet
mit nichts anderem außer Hauen, schlägt einen neuen breiten Weg in das Gelände. Wie ein
gefräßiger Wurm arbeitet sich der Trupp durchs unwegsame Gelände. Die Vorhut orientiert
sich an einem schmalen Pfad, den sie mit ihren Werkzeugen um ein kleines Stück verbreitert,
bis das Ende der Gruppe einen richtig geraden und gleichmäßig ebenen Weg hinterlässt.
Keine Baumaschine, keine unterstützende Sprengkraft und keinen Geometer brauchen die
Burmesen während ihrer Arbeit. Über eine Strecke von bestimmt 40 m sind die Arbeiter
verteilt. Wie wir an der Baustelle vorbeigehen werden wir angehalten und dem Vorarbeiter
des Zuges vorgestellt. Wir müssen unbedingt ein Foto machen und versprechen es ihm zu
schicken. Der Grund warum diese Straße gebaut wird ist einfach. Sie werden nicht von der
Regierung gezwungen diese Arbeit zu verrichten. Sie brauchen diesen Weg um ihre Waren
mit Ochsenkarren  transportieren zu können.
Auf dem schmalen Fußweg kommen uns in weiterer Folge immer wieder kleinere oder
größere Trupps entgegen, die mit ihren Hauen nur ein Ziel haben.
Nach einiger Zeit sind wir an der Raststelle der Arbeiter. Sie haben hier ein kleines Lager
aufgeschlagen, wo gekocht wird. Viele Taschen mit ihren Habseligkeiten liegen am Rand des
Weges oder sind auf Sträuchern aufgelegt. Die Kinder begrüßen uns und versorgen uns
Süßigkeiten. Da wird der Spieß umgedreht, eigentlich wollten wir unsere Mitbringsel
austeilen. Ist hier aber nicht angebracht. Ein Arbeiter präsentiert uns seine, bestimmt selbst
gebaute Wasserpfeife aus Bambus. Eine Zigarette steckt qualmend seitlich in einem Stutzen,
die Pfeife scheint wirklich zu funktionieren. Es blubbert immer wenn er einen tiefen Zug
inhaliert und er hat sichtlich Spaß dabei.

Zeit für eine kleine Rast. Michel nimmt uns mit in eine einfache Hütte, vor der wir unsere
Schuhe ausziehen. Drinnen dampft es und ein intensiver Geruch verbreitet sich. Mittagszeit?
Nein unsere Socken sind’s. Wir sind ja auch schon einige Zeit unterwegs.
Durch das dunkle Teakholz, welches überall verbaut wird, ist es recht duster. Wir nehmen auf
einer Art Linoleumunterlage platz, die normalerweise den Kindern als Schlafstätte dient. Das
Haus besteht aus einem großen Raum, nur das kleine Schlafzimmer der Eltern hat den Luxus
einer dünnen Abtrennung. In der Küche befindet sich eine offene Feuerstelle über der ein
Reistopf auf einem Eisengestell dampft. Die Frau des Hauses schiebt die rund um das Feuer
aufgelegten Holzstücke weiter in die Glut. Darüber eine verrußte Bastmatte auf der alles
Mögliche zum Trocknen aufgelegt wird. Natürlich gibt es keinen Rauchabzug, wozu auch,
man erspart sich dadurch die Zigaretten.
Da hocken wir nun im Schneidersitz und trinken chinesischen Tee. Christian verdreht die
Augen nachdem er die Teekanne und die wunderbaren Porzellantassen genauer betrachtet hat.
Walter und ich nehmen die dafür vorgesehene Zaubermedizin. Nicht nur, daß sie wirklich
perfekt hilft, man nimmt alles gleich viel lockerer.

Im nächsten Dorf werden wir von dunkel behaarten Hausschweinen und Kindern begrüßt. Die
Schweine heben sich punkto Sauberkeit von den Kindern deutlich ab. Warum soll es in
Myanmar anders sein?
Ein kleiner Junge ist jedenfalls die Attraktion hier. Er schummelt sich immer wieder ins Bild
und muß unbedingt auf jedes Foto. Trotz der hohen Temperaturen trägt er eine Wollmütze
und einen Rollkragenpulli. Ach ja es ist Winter, das hatte ich ganz vergessen.
Unter einem weiteren Haus sitzt eine ältere Frau Umhängetaschen-webend am Boden und
Michel erklärt uns die Bedeutung der dünnen roten Rattanringe, die sie um Ihre Hüfte trägt.
Wenn eine Frau heiratet, dann gibt es nicht die bei uns üblichen Ringe um den Finger sondern
eben mehrere um den Bauch. Etwa 2 Tage benötigt sie um ein Stück fertigzustellen. Ein Eck
weiter werden Bleikugeln für die Jagt geklopft und mühsam Reis mit einer Holzkonstruktion,
die eher an einen Schmiedehammer erinnert, geschrotet.
Vorbei am üblichen Kloster mit den kleinen rotgewandeten Kindermönchen, geht es weiter zu
den Longhouses.
Dort werden wir vollkommen unerwartet von einer Horde Frauen und Kinder aufgelauert, die
sehr aufdringlich ihre Handarbeiten anbieten. Jeder erwartet das große Geschäft mit dem
Verkauf einer Umhängetasche, einer kleineren Ausführung davon, einer Handtasche und einer
Kappe für unverheiratete Frauen. Eigentlich wollen wir nichts kaufen. Und bis wir das
Longhouse betreten, können wir auch locker widerstehen. Dann aber schlagen wir zu. Mit ein
wenig Verhandeln kosten die angebotenen Taschen statt 1500 Kyat nun 1000 Kyat. Es scheint
aber allen ankommenden Touristen gleich zu passieren. Sie werden überfallen und sie kaufen.
Die Vorgehensweise scheint gut zu klappen. Alles in Allem ist die Zwischenstation im
Longhouse sehr touristisch. Aber wir gehören ja auch dazu und der Verkauf an uns hat ebenso
funktioniert. Wir haben also unseren Obolus geleistet um dem Bürgermeister den Neubau des
Longhouses zu ermöglichen. Er erklärt stolz, daß er die vielen Gäste in einem schöneren Haus
empfangen möchte. Bye Bye Tradition es lebe der Fortschritt. Immerhin ist es üblich, daß im
Longhouse mehrer Familien wohnen. Das ganze Familienleben spielt sich unter einem Dach
ab. Bei dem Rundgang durch das vielleicht 30 m lange und 5 m breite Holzhaus kommt man
an den verschiedensten Verkaufsflächen – äh sorry Familienbereichen vorbei. Alle haben sich
augenscheinlich dem Verkauf von gewebten Taschen verschrieben. Der Boden knarrt und
ächzt unter uns schwergewichtigen Europäern. Bitte Christian – Abstand halten.
Mit unserer Beute von 11 Taschen und 1 Kappe für unverheiratete Frauen ziehen wir nach
einer Bananen mit Teepause zum Mittagsrestaurant weiter.
Ganz oben am Berg ist es schon zu sehen. Eigentlich stehen 2 Gasthäuser zur Auswahl. Wir
entscheiden uns für das SHWE TA YAW mit der schöneren Aussicht und den kleinen
Strohpavillons. Der Wirt ist der Großvater von Michel. Na warum hat er das denn nicht gleich
gesagt, dann wäre die Auswahl leichter gefallen. Es gibt Kohlsuppe, fried Rice mit Ei und
Avocados als Nachspeise, dazu Wasser und Sprite. Schön ist’s hier. Auch angenehm windig
und in der Ferne können wir den Arbeitstrupp ausmachen, der die Straße ein schönes Stück
weiter in den Wald getrieben hat. Unser Zeitplan hätte Abmarsch um 12:00 Uhr vorgesehen,
aber 14:00 Uhr ist auch OK.

Auf der Straße auf der wir jetzt Richtung Kalaw zurückmarschieren liegt superfeiner weicher
roter Staub. Nicht weiter schlimm, wenn man so dahinschlendert und rundum nicht als
Vogelgezwitscher und LKW Geknatter hört. LKW Geknatter – in Deckung. Die Burmesen
auf der Ladefläche amüsieren sich köstlich über die 3 Touristen, die panisch im Unterholz vor
dem Staub flüchten. Es hilft alles nix. Wir verschwinden in der dichten Wolke und es dauert
ein Weilchen bis es wieder freie Sicht gibt. Auf dieser Straße einem weitern Fahrzeug zu
begegnen ist viel zu Riskant, deshalb geht es im Wald weiter. Vorbei am Wasserspeicher für
Kalaw. Riesige Rohre leiten das Wasser bis in den Ort hinunter.
2 Männer mit Steinschleuder auf Vogeljagd kommen uns entgegen. Die Munition, die sie
verwenden, besteht aus kleinen Tonkügelchen. Welche Vögel sie jagen? Alle die sie
erwischen können.

Etwa eine ½  Stunde von unserem Hotel entfernt queren wir einen Golfplatz. Kommen bei
Jugendlichen vorbei, die das Nationalspiel der Burmesen spielen. 2 Gruppen versuchen
ähnlich wie beim Volleyball einen Bastball hauptsächlich mit den Füßen in der Luft zu halten
und ihn so über das Netz zu spielen, daß er dahinter auf den Boden fällt. Michel zeigt, daß er
das Spiel auch ganz gut beherrscht. Da wir noch Süßigkeiten dabei haben sind wir bald um­
ringt von Kindern.
Immer wieder erklingt Gitarrenmusik aus den einfachen Häusern. Viele Welthits ins
burmesische gekovert. Jetzt ist die Wanderung bald beendet. Eine Marschmusik spielende
Mi­litär­kapelle läuft uns über den Weg, dann sind wir auch schon im Hotel.
Michel verschlägt es die Sprache als Walter ihm 3 Euro gibt. Wir dachten daß die Tour bei an
Rezeption des Hotels zu bezahlen ist und wollten Michel ein Trinkgeld für die tolle Trekking
Tour geben. Und er dachte, wir wollen ihm die vereinbarten 15 U$ nicht bezahlen.
Die folgende heiße Dusche ist so richtig entspannend und weckt nach der anstrengenden Tour
wieder die Lebensgeister. Das Everest Nepal Food Center wartet schon. Wir sind mit unserer
Wahl nicht sehr experimentierfreudig. Malawach, Chapati und Reis also. Die Küche prä­sen­
tiert sich meiner Digitalkamera wie sie mir von gestern im Gedächtnis geblieben ist. Aber ich
möchte noch mal mit der Spiegelreflex zurückkommen. Bei der zweiten Runde erzählt mir die
Chefin von ihren 7 Töchtern. 3 fühlen sich anscheinend in der Küche ganz wohl und ver­
suchen während meiner Session ein bisschen Ordnung in das organisierte Chaos zu bringen.
Zu spät, es ist alles schon auf Film gebannt.
Den gestrigen bakteriellen Angriff haben wir gut überstanden. Hoffentlich bleibt es so.

Daten zum Tag
1 tägige Trekking Tour mit Führer, 5 U$ / Person incl. Mittagessen (Shwe Ta Yaw)
Restaurant Shwe Ta Yaw, Sprite 800 Kyat, Wasser 250 Kyat

 

 
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