Eine Reise durch's goldene Land
Shwe Yaunghwe Kyaung Kloster
Do 27.01. 2005 Fahrt nach Kalaw
 

05:30 da ist es wieder das Singen der Mönche – soll ich oder soll ich nicht raus aus den
Federn und nachschauen was da los ist ? Vor meinem geistigen Auge eine ganze Menge
meditierender und singender Mönche in ihren roten Gewändern. Das könnte doch interessant
sein. Walter und Christian brauch ich zu der Thema nicht zu befragen. Aber OK ich versuchs.
Der Gesang klingt so als würde er direkt hinter unserem Hotel stattfinden. Zumindest nicht
weit entfernt. Der Hotelportier, der um diese Zeit schon munter ist schickt mich jedoch in eine
komplett andere Richtung. Ob er meine Frage nach dem Mönchgesang richtig verstanden hat.
Keine Ahnung. Dort wo er den Gesang vermutet ist es nur stockfinster und totenstill.
Unheimlich wäre es in jedem anderen Land, hier fühlt man sich vollkommen sicher. Wo der
Gesang herkommt ist ganz gut auszumachen, aber ich bin in der falschen Gegend. Ein paar
Seitengassen weiter entdecke ich dann das Kloster und die Lautstärke nimmt zu. Genau so
wie ich mir das ausgemalt habe, eine ganze Menge meditierender Mönche am Boden kniend,
sie müssen hier irgendwo sein, es ist ganz nahe, was ist denn da auf dem Masten oben…. ein
kreischender Lautsprecher.
Selbst die 3 fußballspielenden Jungmönche, die im Finsteren mit einem kleinen Ball ihre
Tricks vorführen, können mich nicht ganz über diese Enttäuschung hinwegtrösten. Schon eher
die Aussicht auf eine große Ansammlung von Bettelmönchen, die sich heute um 11:00 Uhr
zur letzten Mahlzeit des Tages hier im Kloster einfinden werden. Über 100 sollen es sein und
die ersten Vorbereitungen werden schon getroffen. Leider werden wir gegen 11:00 Uhr aber
schon im Taxi nach Kalaw sitzen.
Jetzt aber wieder zurück. Das Hotel ist nur 2 Ecken entfernt und vielleicht geht sich noch eine
Mütze Schlaf aus.
 
08:00 heißt für Walter und Christian wieder mal gemütlich aufstehen. Erst um 10:00 geht es
weiter. Wir wollten die Abfahrt ein wenig vorverlegen und sogar Walter war früher als
geplant fertig. Nur hat der Fahrer des Taxis nicht mitgespielt. Also geht es pünktlich los.

Das Teakholzkloster Shwe Yaunghwe Kyaung mit den ovalen Fenstern ist die erste Station
des Tages. Im Meditationsraum hinter den schönen Fenstern hat sich eine Klasse junger
Mönche eingefunden. Man hört wie sie ihre Gesänge murmeln. Und wir werden von ihnen 
aufgefordert hineinzukommen. Ein wenig unsicher, wir wollen nicht stören, gehen wir die
paar Stufen hinauf, ziehen uns die Schuhe aus und betreten den Raum. Die kleinen Jungs in
den orangeroten Gewändern knien am Boden, jeder hat ein Schulheft vor sich liegen in dem
die Strophen nachgelesen werden. Sie lassen sich durch uns nicht unterbrechen, blicken kurz
auf ein schüchternes Lächeln und lesen weiter.
Ein kleiner Junge zeigt mir stolz die Fußballer auf seinem Heftumschlag, Wayne Rooney,
Zinedine Zidane …. Vieles hätte ich erwartet, das nicht!
Das Foto, welches wir gehofft haben machen zu können, gelingt. Ein Jungmönch stellt sich
extra kitschig in das ovale von der Sonne beschienen Klosterfenster.

Walter wird auf Grund des Kika Leiberls von Herrn Schauer, einen betagteren gemütlichen
Fotografen aus dem Ennstal, der mit seiner Frau etwa 70 Tage Asien bereist, angesprochen.

Die weißen Stupas von Bawyita, die uns beim ersten Anblick, als wir vom Flughafen
Richtung Nyang Shwe gefahren sind so gut gefallen haben, sind nach Kakku und Indein nicht
mehr halb so spektakulär. Wir machen zwar einen kurzen Zwischenstopp, aber es wird
wirklich nur eine schnelle Besichtigung.

Die beiden Taxifahrer sind die ersten burmesischen „Banditos“, die wir treffen. Ihr Kleinbus  
hat schon weit bessere Zeiten erlebt und wir müssen die ganze Zeit mit geöffneter Seitentür
fahren um den Innenraum wegen der unangenehmen Abgase zu belüften. Anscheinend ist
dies  selbst in Myanmar verboten, denn wie wir eine Polizeistation passieren schließen sie die
Tür vorsichtshalber. Die Frage, ob wir als Tageshöhepunkt ein Gefängnis besichtigen
möchten in dem  Häftlinge mit Peitschen im Kreis getrieben werden, lehnen wir dankend ab.
Das muß wirklich nicht sein. Außerdem ist es für Touristen streng verboten in die Nähe von
Gefängnissen zu kommen. Deshalb wollten auch sie eine extra Prämie dafür kassieren. Für
die Häftlinge versteht sich.

2 Stunden Fahrzeit später bringen uns die beiden direkt in das Hotel Dream Village Motel
Kalaw
. Nach kurzen Verhandlungen und dem Versprechen niemandem zu sagen, daß wir für
das Superior 3 Bett Zimmer im 2ten Stock mit Pagodenblick statt 36 U$ nur 30 U$ bezahlt
haben, beziehen wir unser schönes Zimmer. Also bitte behaltet dieses große Geheimnis für
euch.

Nonely Planet und Loose sind sich nicht ganz einig über den Standort des Everest Nepal Food
Center
, wo wir beschlossen haben zu Mittag zu essen. Und nachdem beide Ecken abgesucht
sind steht immer noch nicht fest, wo das Everest sich genau befindet. Vorne an der
Hauptstraße, wie der Loose meint, befindet sich ein Einheimischen Lokal mit burmesischen
Schriftzeichen. Eine Seitengasse näher bei unserem Hotel, am Standort der im LP angeführt
ist, dort findet man auf Anhieb auch nichts. Aber Moment mal, da … etwas nach hinten
versetzt, da ist es! Auf einer großen Tafel kann man den Namen des Restaurants lesen.
Schon gespannt, was es hier in diesem recht indischem Lokal zu essen gibt, nehmen wir auf
den typischen Plastiksesseln platz. Aja es gibt Malawach, Chapati, Dhal Bat,….nehmen wir
doch glatt. Und für Christian ein Sprite, für Walter und mich natürlich ein Myanmar. Alles
klar. Aber um uns indienunkundigen Urlaubern in die indische Küche einzuführen hat sich die
Besitzerin zu uns gesetzt und die Gerichte auf der Speisekarte erklärt. Chapati ist ähnlich
einem vollkorn Pizzabrot und gibt es in verschiedensten Ausführungen, zum Beispiel mit
Knoblauch. Dhal Bat ist Reis mit Curry-Kartoffeln und einer Unzahl verschiedener Zutaten in
kleinen Blechschalen, wie geröstetem Chili in Öl, Kichererbsen in Öl, Mangolds, … Unter
Malawach versteht man warmes Chapati mit einem Berg frischen, kleinwürfelig
geschnittenen kalten Tomaten und hart gekochten Eiern. Das Essen ist vorzüglich und nach
einem Schnaps fühlen sich Walter und ich wieder sicher.
Der Höhepunkt dieses Lokals befindet sich aber hinter dem Gastraum. Ein Vorhang verdeckt
den  Blick in die Küche. Wenn man aber nach der Toilette fragt, muß man hinter diesen
Vorhang. Der erste Eindruck den die Küche vermittelt ist, hoffentlich werden wir das
Mittagessen überleben. Dann erst möchte man das Chaos näher betrachten. Ein Raum in dem
auf jedem freien Quadratzentimeter bunte Schüsseln, Teller, Töpfe, Plastiksackerln, Besteck
oder andere Behältnisse mit verschiedensten Ingredienten zum Kochen stehen. Runde
Scheiben, die frisch aus Bäumen geschnitten und seit damals bestimmt nicht gereinigt
wurden, dienen als Schneidbretter. Wie jemand unter diesen Bedingungen etwas Bestimmtes
findet ist mir ein Rätsel. Vielleicht besteht aber kochen in der indischen Küche zu einem
Großteil aus geschmacklichem Zufall.
Im hinteren Bereich befinden sich die Kochstellen. Auf verrußten Holztischen stehen nicht
weniger verrußte runde Steinöfen, die vorne eine Öffnung zum Nachlegen der Holzkohle
haben, darauf Blechtöpfe und Wogs. Zangen zum Greifen der glühenden Holkohlenstücke
und Werkzeug zum Entfernen der Asche liegt achtlos zwischen Asche und herausgefallenen
Kohlestücken neben Tellern die auf Befüllung warten, rund um die Öfen verteilt. Daneben
wieder Schneibretter, Messer, Blechtöpfe, wogähnliche Pfannen, Spülschüsseln mit recht
trüben Wasser und Essensresten, genauso wie zubereitete Speisen auf fast sauberen Tellern.
Ein heilloses Durcheinander mit dem Charme einer Rauchkuchl. Daß dieser Raum keinen
Abzug oder Kamin hat verleiht jedem Einrichtungsgegenstand eine einheitliche Schwärzung
und vermittelt eher den Eindruck einer Wohnung nach einem Großbrand, denn an eine Küche
in einem Restaurant.
Aber nicht die Küche war das Ziel meiner Forschungsreise hinter den Vorhang. Die Toilette
befindet sich in einem Gang gleich anschließend an die Küche. Ein finsteres Loch mit 2 Türen
wohinter sich die Anlagen befinden. Ein Wasserbecken mit Schöpfkelle, daneben das Papier
und in der Mitte eine Vertiefung mit der Keramikschüssel. Alles da was man braucht aber
lieber nicht benutzen möchte.
Die Rechnung ist wieder mal erstaunlich. 7500 Kyat, alles zusammen.

Den Rest des Nachmittags ziehen sich Walter und Christian in das gemütliche Hotelzimmer
zurück und ich gehe auf Entdeckungsreise. Der überdachte Augfang zum Kloster und der
Pagode von Thein Taung auf dem Hügel von dem man einen guten Ausblick über Kalaw hat
ist mein Ziel. Niemand ist diesen Nachmittag auf dem Walkway unterwegs. Ganz allein steige
ich die unzähligen Stufen hinauf zum Kloster und komme dabei ganz schön ins Schwitzen.
Der Ausblick über Kalaw ist schön und es hat sich ausgezahlt die Stufen herauf zu kommen.
Direkt neben dem Schuhausziehplatz ist der Eingang zu einer Turnsaal ähnlichen Säulenhalle,
wo sich junge und alte Mönche zum Gebet eingefunden haben. Einzerbrochenes Fenster an
der Eingangstüre lässt mich das ganze leichter beobachten. Hineingehen und die Meditation
zu stören möchte ich eigentlich nicht, obwohl es bestimmt erlaubt wäre. Wieder ist das sonore
Murmeln zu vernehmen. Ein kleiner Junge nimmt seine Sache besonders genau und es ist
lustig zuzuhören wie der kleine Schreihals mit seinen Sprüchen alle Anderen übertönt. Immer
wieder stehen jüngere Mönche auf nehmen ihr Heftchen mit, legen es zu den älteren Mönchen
hin und beginnen das Gelernte auswendig aufzusagen. Auch Kommandos werden gegeben
und die jüngeren dürfen dann einzeln aufstehen und den Raum verlassen. Ich beobachte das
ganze so lange bis nur mehr der kleine Schreihals übrig bleibt. Dann gehe ich ein Stück weiter
um mir auch noch den Buddha und die Halle mit den Buddha Bildern, nichts weiter
aufregendes, anzuschauen. Am Rand der Anlage stehen hinter einem großen Baum Häuser im
Kolonialstil. Dann wandere ich die Stufen wieder gemütlich hinunter und versuch an der
Hauptstraße ein Taxi nach Mandalay zu organisieren. Alle sind zwar unheimlich hilfsbereit,
aber die Sprachbarriere lässt mich keine brauchbare Information einholen. Ein militärisch
gekleideter Burmese erklärt mir im gebrochenen Englisch, das es wohl billiger ist mit dem
Bus nach Mandalay zu fahren. Yes Yes you can take a bus. Das war jetzt nicht ganz das was
ich wollte. Aber ein paar Meter weiter auf der anderen Straßenseite finde ich ein Ticket-
Office mit einem gut englisch sprechenden Burmesen, der sich noch genauer über die Preise
informieren möchte, aber ungefähr 60.000 Kyat wird es schon kosten. Das scheint mir dann
doch zu teuer, auch wenn man bedenkt, daß das Taxi aus Mandalay kommt und mit uns dann
wieder zurück fährt. Also eigentlich 1 ½ Tage unterwegs ist. Höflich versuche ich mich zu
verabschieden, aber er will den Deal unbedingt machen und fragt nach Name und Hotel.

Gleich hinter dem Ticket Office ist der Markt von Kalaw. Enge Gassen zwischen kleinen
überdachten Ständen und immer wieder interessante aber auch gewöhnungsbedürftige
Gerüche. Der Markt ist um diese Zeit nicht mehr so belebt, deshalb gehe ich langsam zum
Hotel zurück. Im Hotel gibt es Strom und der Generator läuft. Ein Email nach Hause schicken
ist aber nicht möglich, weil die Post wohl keinen Generator hat und wohin soll sich das
Modem sonst verbinden. Bis 22:00 Uhr soll es im Ort keinen Strom geben. Eh klar es ist kein
working day.

Walters Föhn sucht Anschluss. Die schwarze runde Vorkriegssteckdose neben dem Bett von
Christian ladet ein es zu versuchen. Knack und aus. Die Vorschaltgeräte oder Spannungs­
stabilisatoren für Kühlschrank, Fernseher und Klimaanlage machen keinen Mucks mehr, der
Föhn sowieso nicht. Die Betriebsanzeigen sind tot. Na da ist wohl eine Sicherung gefallen.
Kurzer Rundblick im Zimmer, aber ein Sicherungskasten oder dergleichen ist nicht
auszumachen.
Der über die Rezeption gerufene Techniker ist rasch bei uns im Zimmer um den Schaden zu
beheben. Was wir gemacht haben? Mit schlechtem Gewissen beichten wir: „Einen Föhn
haben wir angesteckt“. „Hmmm, where“. Wir zeigen ihm die unschuldige Steckdose. Die
Frage nach einer „Fuse“ verwirrt ihn irgendwie. „No Fuse“, na was denn dann? Was sollte
denn sonst Schuld sein, daß das ganze Zimmer urplötzlich unbestromt ist. Aber unbeirrt holt
er einen Schraubenzieher und stochert in den Löchern der Steckdose herum. Setzt ab,
kontrolliert die Vorschaltgeräte und macht weiter. Kopfschüttelnd wollen wir wieder auf eine
Sicherung hinweisen. Er lässt sich aber nicht beirren und bearbeite weiterhin die Steckdose.
Na er wird früher oder später schon draufkommen, daß die Steckdose nicht Schuld sein kann.
Als es plötzlich zrschhhht und die Betriebsanzeigen aller Geräte wieder aufleuchten.
Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen. Keine Sicherung und der gesamte Saft über
eine Steckdose, bei der irgendein Kontakt auseinander gebogen worden ist. Diese Steckdose
wird irgendwann explodieren. Christian bitte pass gut auf sie auf!

 

Und weil schon wieder Zeit ist brauchen wir ein Restaurant zum Abendessen. An der
Hauptstraße kehren wir beim nächsten Chinesen ein, bestellen fried finger potatoes und fried
cashews, die wir mit Stäbchen serviert bekommen.
Walter beschließt den Abend mit Tagebuchschreiben, Burmesen wach halten und Bier
trinken. Um ½ 1 gibt er auf , das wissen wir weil er den Zimmerschlüssel vergessen hat.

 

 
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