Eine Reise durch's goldene Land
Mönche in Indein
Mi 26.01. 2005 Trekking vom Inle See nach Kakku
 

05:45, für Walter und Christian eine unchristliche Zeit. Sie machen die Trekkingtour aber
freiwillig. Auch wenn es sich gerade nicht danach anhört. Es war eine kluge Entscheidung am
Vorabend zu duschen. Abstauben oder Abduschen macht momentan keinen Unterschied.

Entweder wird um diese Tageszeit auf den Straßen immer Müll verbrannt und wir bekommen
es nicht mit oder heute ist ein besonders stinkiger Tagesbeginn. Auf jeden Fall ist der
beißende Rauch sehr unangenehm.
Der Generator des Hotels ist ebenfalls gut zu hören, Auswirkungen in Form von Strom und
Licht gibt es trotzdem keine. Meine Stirnlampe war eine lohnende Investition.

Zum Frühstück wollen wir den Eierkonsum halbieren. Bitte für jeden von uns 3 statt der
üblichen 2 bitte jeweils nur 1 Ei und dieses 5 Minuten gekocht. Yes, Yes, eggs for three
persons, five minutes. Endlich jemand der uns versteht und gleich darauf die gewünschten 5
Eier für uns 3 serviert. Ich hoffe nicht, daß die Eier jetzt nur 2 Minuten gekocht sind…..

Wie immer nach dem Frühstück verschwindet Walter noch mal am Zimmer und ist auch glatt
10 Minuten später am vereinbarten Treffpunkt. Gegen 07:15 starten wir mit dem gleichen
Boot und Fahrer wie gestern. Den Kanal hinunter, das kennen wir schon. Es ist zwar eine
wenig zeitiger, aber Einbeinruderer sind auch schon längst auf Fischfang. Bei dem
Sonnenaufgangslicht müssen natürlich noch ein paar Stopps gemacht werden und gegen
08:30 erreichen wir das Golden Island Cottage. Die gute Gelegenheit einer letzten WC
Session lässt Walter sich nicht entgehen. Nachdem alle Gebühren, Eintrittsgelder und
ausgemachte Kosten für die Tour bezahlt sind, geht es zurück ins Boot und mit Summa
unserem Guide zum eigentlichen Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Schon von weitem sehen wir ein paar Hütten, neben denen es ordentlich dampft.
Karamellerzeugung mitten im Niemandsland. Unter einem Wellblechdach brodeln auf
mehreren offenen Feuerstellen einige Kessel mit Zuckerwasser. Zuerst wird die Mischung aus
Zuckerrohrsaft und Wasser erhitzt. Wenn eine gewisse Temperatur erreicht ist wird der Inhalt
des Kessels zur nächsten Station weitergeschüttet. Dort wird es richtig heiß, wie man an den 3
brodelnden Kesseln sehen kann. Die Masse wird richtig eingedickt, bis richtige braun Melasse
entsteht. Das zähe Zeug wird dann auf eine vorbereitete Bambusmatte geschüttet und zum
Aushärten gleichmäßig verstrichen. Den Kindern hier brauchen wir bestimmt keine
Süßigkeiten verteilen.

Vogelgezwitscher für die Minidisk, Ochsenkarren und die dazugehörigen ausgeschwemmten
Sandwege auf denen man zu Fuß schon beträchtliche Probleme hat weiterzukommen, Bäume
mit schönen roten und orangen Blüten und eine kleine verfallene Pagode passieren wir auf
dem Weg zum Anstieg Richtung Kakku. Die Pagode bedarf noch einer näheren
Untersuchung. Auf dem verfallenen Bauwerk wachsen bereits Bäume und im Zugang kann
man ganz hinten eine Nische mit einem Buddha erkennen. Fledermäuse haben den Innenraum
in Beschlag genommen und wir sollten besser nicht reinklettern. Aber ein Foto mit Blitz
möchten wir schon machen. Christian steht vollkommen konzentriert beim Eingang und stellt
seine Kamera ein während er einen guten Bildausschnitt sucht – SCH SCH SCH – einer
Fledermaus war das gar nicht recht und Christian macht mehr als einen Schritt Rückwärts.

Zeit für die Ingwerernte. Ein paar Frauen hocken am Wegesrand und graben mit den Händen
und einfachen Holzpflöcken Ingwer aus der groben Erde. Dieser Ingwer dürfte nicht zum
Verzehr gedacht sein, denn sie deuten uns, daß Sonnenschutz daraus gemacht wird. Es ist
auch eine etwas andere Ingwerart, denn die Wurzen sind nicht gelb sondern orangefarben.

An einem Bach machen wird die letzte Rast vor dem Anstieg. Einen Generator, der mit
Wasserkraft angetrieben wird, den haben wir hier nicht erwartet. Mit den Kindern teilen wir
unsere Keks, trinken noch einige Schlucke Wasser und weiter geht es.

Staubig uns steil beginnt der Weg und es wird auch immer heißer. Plötzlich packt Walter
seine Mannerschnitten aus hält seine Mannerschnittenuhr ins Bild für’s Familienalbum. Papa
in Myanmar. Söhnchen Alexander wird das Foto bestimmt stolz im Kindergarten
herumreichen.
Aber bei der Hitze packen alle die Fotoapparate bald ein und nutzen jeden Baum, jedes
schattige Plätzchen um ein wenig auszurasten. Wiedermal sind wir weit hinter unserem
Zeitplan und sollten uns sputen um den Sonnenuntergang in Kakku noch zu erleben. Aber der
steile Pfad und die Hitze lassen kein schnelleres Tempo zu. Knapp vor dem Erreichen des
Plateaus noch ein letzter Blick zum Inle See, der schon recht weit entfernt zurückliegt. Die
Aussicht ist schön, wenn auch diesig.

Ma Gyi Gone erreichen wir gegen ½ 2 und kehren in einem kleinen Geschäft ein. Walter will
bedenklicherweise kein Bier. Bevor wir den Laden betreten dürfen müssen wir unsere Schuhe
ausziehen. Mit unseren stinkigen und schmutzigen Socken ist das bestimmt kein Gewinn. So
sind aber die Regeln und die Besitzer des Ladens werden damit zurechtkommen müssen. Im
Geschäft steht eine kleine Glasvitrine, runderhum ist von Schulheften, Süßigkeiten bis zu
Bierflaschen und Gemüse alles Mögliche gestapelt. 15 Minuten Rast gönnen wir uns, dann
aber weiter. Jetzt kommt Christian drauf, daß er noch ein Foto vom Inle See braucht. In der
Gegenrichtung gibt es eine kleine Erhebung, die aber nicht wirklich den Blick auf den See
freigibt. Aber man kann ja die Gegend umbauen, wenn es sein muß. Hinter einem Haus stört
ein Ast und der wird vom Guide gehorsam aus dem Bild gehalten.

So wie uns Michael Pfeiffer die Strecke nach dem steilen Stück vorgestellt hat, nämlich flach
und angenehm zu wandern, kommt es überhaupt nicht. Steil runter ins Tal, vorbei an einem
kleinen Teich und gleich wieder steil rauf zur Straße. Eine Abkürzung, weil wir spät dran
sind, wie uns Summa versichert. Viel näher ist unser Ziel aber immer noch nicht. Nur jetzt
geht es wirklich flach und angenehm dahin. Und um 15:00 Uhr erreichen wir Naung Kae, wo
unser Taxi nach Kakku neben einer Schule auf uns wartet. Kaum haben uns die Kids
entdeckt, umringen sie uns auch schon. Fremde tauchen hier ganz selten auf. Wir sind
bestimmt die Attraktion des Nachmittags.

Nach 45 Min Taxifahrt sind wir endgültig am Ziel. Kakku mit seinen etwa 2500 Stupas im
wunderbar goldenen Nachmittagslicht. Wie eine Armee stehen die 3 bis 4 m hohen Türmchen
in Reih und Glied nebeneinander. Jede Stupa hat in einer Nische einen eigenen kleinen
Buddha und am Spitz einen so genannten Schirm mit vielen Glöckchen, die im Wind
gemeinsam ein richtiges Klingelkonzert veranstalten. Leider werden die schon etwas
mitgenommen Stupas so renoviert, daß sie wie Neubauten da stehen.
Kaum Besucher sind zwischen den vor 500 Jahren erbauten Bauwerken auszumachen.
Höchstens ein paar Burmesen, ein Pärchen Franzosen, hin und wieder ein Mönch, ansonsten
sind wir die einzigen Bloßfüßigen in dem noch relativ unberührten Pagodenbezirk.
Zu dieser Abgeschiedenheit passt das sehr touristisch anmutende Restaurant Hlaing Ronn
direkt gegenüber überhaupt nicht. Einheimische kehren ob der hohen Preise hier bestimmt
nicht ein. Werden vielleicht am frühen Nachmittag Busladungen von Touristen abgeladen?
Wenn die wüssten wie schön es hier am späteren Nachmittag wird. Falls es diese
Busladungen überhaupt gibt sind wir gar nicht böse sie nicht anzutreffen.

Da die Heimfahrt später als geplant angetreten wird, müssen wir auf den Mönch in seiner
Höhle leider verzichten. Schade, aber irgendwie sind wir sowieso zu müde. Allen fallen auf
der Strecke nach Taungyi trotz der holprigen Straße die Augen zu, auch Summa hält ein
Nickerchen.
Viele Bambushütten und unzählige kleine Geschäfte ziehen am Straßenrand bei uns vorbei.
Es dämmert und bevor wir Taungyi erreichen ist es dunkel.
Bis Nyaung Shwe waren es dann mit dem Taxi 2 Stunden Fahrzeit. Jetzt nichts wie unter die
Dusche. Aha Wasser ist gut aber aus. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Strom. Gut, daß es
wenigstens ein kühles Myanmar Bier gibt.
Mit Walter bleib ich noch ein Weilchen sitzen. Auf jeden Fall lange genug um beim Hotel vor
verschlossenen Toren zu stehen. Der Wächter hat einen gesegneten Schlaf, also über den
Zaun und jemanden gesucht der für Walter das Tor beiseite schieben kann.
Der Wasserdruck hat sich nicht wesentlich verbessert, ziemlich mau. Aber nach dem Tag ist
eine Dusche bitternotwendig.

Daten zum Tag:
Bootsfahrt zum Golden Island Cottage 7000 Kyat
Trekking Tour: 25 U$
Eintritt Kakku: 8 U$ / Person
Taxi: 35.000 Kyat.
Restaurant Hlaing Ronn; Bier 2500 Kyat

 

 
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