Eine Reise durch's goldene Land
Indein
Di 25.01. 2005 Eine Runde um den Inle See
 

Seit 05:00 Uhr genieße ich das Schnarchen von Walter. Gegen 6:30 Uhr mischt sich ein
Gesang von Mönchen dazu. Sollte der Gesang morgen wieder zu hören sein, dann will ich
dem Nachgehen. Es scheint nicht weit hinter unserem Hotel zu sein, heute will ich lieber noch
ein wenig ausrasten.
Um 07:45 Uhr ab zum Frühstück zu Toast, Erdbeermarmelade, Tee, Kaffe etwas Orangensaft
und 2 perfekt weichgekochten Eiern. Morgen will ich aber nur oa Oa.
Um 08:00 Uhr wäre Treffpunkt beim Office des Novelty Tour Service gewesen – geht sich
aber nicht aus, weil Walter noch einiges los werden wollte. Kein Streß wir sind auf Urlaub.

Unser Boot ist um einiges größer als der Einbaum von gestern. Auch ist es mit einem
interessanten Schiffsmotor ausgestattet. Kein normaler Außenborder, wie wir es gewohnt
sind, sondern ein klappriger Motor mit großer Schwungscheibe und etwa 2m langer Welle an
deren Ende die Schraube sich dreht. Wie bei einem Quirl spritzt das Wasser durch die Gegend
wenn das Tempo erhöht wird und die Welle ganz flach im Wasser liegt. Die Schraube selber
schneidet sich durch das Seegras und man merkt immer wieder wenn sie was zu tun hat. In
diesem Boot nehmen wir also bequem in niedrigen sitzen Platz und düsen los. Es geht recht
flott dahin. Am Kanal gilt es noch die Entrance Fee von 3 U$ zu bezahlen, bevor es raus auf
den See und zu den ersten Einbeinruderern geht. Und da sind sie schon. Die Ruderer, die wir
umkreisen sind bestimmt nicht begeistert. Wir sind auch beiweiten nicht die einzigen die beim
Fischen stören. Dutzende andere Boote haben das gleiche Ziel. Einbeinruderer schauen!
Ihre Technik ist imponierend. Nicht nur daß sie diese Technik des Einbeinruderns entwickelt
haben, auch beim Fischen stehen sie nur mit einem Bein balancierend auf dem wackligen
Einbaum und manövrieren ein Reuse mit dem anderen schwungvoll ins Wasser. Die Reuse
wird senkrecht in den nicht mehr als 3 m tiefen See gestellt. Am Grund befindet sich bestimm
Seegras und Schlamm. Ein langer Stock wird in eine Öffnung der Reuse, die gerade noch aus
dem Wasser ragt gesteckt und dann wird gestochert, der Stecken wieder rausgeholt, die Reuse
aus dem Wasser gezogen und genauso schwungvoll mit einem Bein wieder auf das Boot
befördert. Wie diese Technik genau funktioniert und wie man damit Fische fangen kann wird
für uns aber weiterhin ein Geheimnis bleiben.

Vorbei an den ersten schwimmenden Gärten geht es direkt zum heutigen Hauptort des 5 Day
Market
, nach Mang Thawk Village. Fünf Tage lang findet der Markt am See immer an
einem Anderen Ort statt, bis es wieder von vorne beginnt. Wir hatten gehofft den
schwimmenden Markt zu erwischen, der war aber leider gestern.

Viele Boote derselben Machart wie unserer liegen schon an der Anlegestelle und haben
Touristen, aber auch etliche Einheimische hierher gebracht. 5 Minuten Fußmarsch sind es bis
zum Markt auf dem uns viele Einheimische entgegenkommen, die ihre Einkäufe am Markt
bereits erledigt haben, auch ein Ochsenkarren fährt gemächlich staubend dahin und an einer
lärmenden Schule müssen wir vorbei. Der vordere Teil des Marktes ist schon sehr auf
Touristen ausgerichtet. Den bringen wir aber schnell hinter uns und können dann das Handeln
und Treiben am ursprünglichen Markt beobachten. Zurückversetzt in eine frühere Epoche
fühlen wir uns schon die ganze Zeit, aber am Markt findet man noch viel mehr zu bestaunen.
Fische werden auf Planen oder Bambusmatten am Boden angeboten. Sie liegen in der prallen
Sonne, von Kühlung oder Eis keine Spur. Hunde und Katzen streunen herum und holen sich
ihren Anteil. Fliegen vernichten die flüssigen Reste. Fleisch wird nicht anders an den Mann,
die Frau gebracht.
Hauptsächlich Frauen in verschiedensten Trachten bieten große dünne Reisplatten, Orangen,
getrockneten Fisch, frischen schwabbeligen Weichkäse, verschiedenstes Gemüse, Nüsse,
getrocknete Miniscampi, gestampfte Ameisen an. Die Ameisen sind für die Manneskraft aber
Nein wir möchten lieber nicht kosten. Danke! Auch bei den Garküchen schauen wir gerne zu
ohne, daß unser Hunger größer wird.

Die typischen Gärten am Inle Lake entstehen indem Bambusmatten ins Wasser gelegt werden
auf denen dann Humus angehäuft wird. Die langen Stangen sollen das Abtreiben der Gärten
verhindern. Irgendwie schaut alles wie Festland aus. Wenn man dann aber mit dem Boot
daran vorbei fährt, dann schwanken die Ränder der Gärten mit den Wellen. Und wenn das
Licht passt kann man unter diese schwimmenden Felder schauen.

Nach den Gärten kommen wir zuerst an einer luxuriösen Hotelanlage mitten im See vorbei.
Dem Golden Island Cottage, unserem Ausgangspunkt für die morgige Trekkingtour nach
Kakku.
Dann sehen wir schon die ersten Teakholzhäuser von In Phaw Kon Village. Eine Weberei ist
das Ziel. Walter hat schon einige Zeit vor lauter Durst gejammert und wäre gerne auf ein
Getränk beim GIC ausgestiegen. Mein Wasser hat er aber verweigert. Jetzt kommt er zu
seinem Bier.
Nach einer Testfotoserie mit dem Titel „werden Blitzfotos mit Polfilter genausogut“ haben
wir Zeit die alten Webstühle zu bewundern. Als Anlaufstelle vieler Touristenboot haben sie
die Tradition weiter beibehalten und verkaufen die erzeugten Tücher. Walter schlägt zu und
bringt Helga ein Tuch um 5 U$ mit. Christian meint er wird Andrea mit gutem –PIEEEP-
wieder freundlich stimmen.

Die Weberei war aber nicht die letzte Verkaufsveranstaltung des Tages. In der Schmiede
sehen wir wiederum Gerätschaften, die es bei uns wohl seit geraumer Zeit nichtmal mehr im
Museum gibt. Ein händisch bewegter Blasebalg, der aus 2 großen Metallkolben besteht, in
denen abwechseln eine Membran auf und ab bewegt wird, hält die Kohlen am glühen. Das
darin liegende Metall wird so erhitzt und dann von 3 jungen Männern abwechseln mit großen
Hämmern bearbeitet. Ich bin mir nicht ganz sicher ob die erzeugten Messer und Klingen nur
für Touristen sind.
In der Silber und Goldschmiede wird uns gezeigt wie die feinen Teile verarbeitet werden.
Immerhin wird hier schon Gas zum Löten verwendet. Walter kauft aus purer Angst vor Helga
schon wieder groß ein. Die Saphirohrringe aus dem Shan-Gebiet kosten nach zähen
Verhandlungen 15 statt 20 U$. Christian und ich warten inzwischen bei grünem Tee und
getrockneten Bohnen auf die Weiterfahrt. Die geplante Cheerot Fabrik verweigern wir
allerdings. Jetzt haben wir genug von den Touristenverkaufsfallen.

In Phaung Daw Oo legen wir zum Mittagessen an. Vorweg gibt es Nudelsuppe nach Art und
Geschenk des Hauses. Ein Schluck aus dem Flachmann wird unsere Mägen in Stimmung
bringen. Die Shan Nudeln aus Reis schmecken gar nicht so übel. Der Rest des Essens besteht
wiedermal aus Fried Rice.
Von dem Restaurant hat man einen guten Ausblick auf die Pagode direkt gegenüber auf der
anderen Seite der Wasserstraße. Aber die Shwedagon Pagode in Yangon hat die Latte hoch
gelegt. So ist die Besichtigung der 5 kleinen und unförmigen Buddhastatuen recht schnell
erledigt. Interessanter wäre bestimmt das Fest im Oktober gewesen, während dem die 5
unförmigen in einem prunkvollen Boot von Ort zu Ort geschippert werden. Unförmig sind sie
wegen der unzähligen Goldplättchen, die sie als Opfergaben von genauso vielen Pilgern
verpasst bekommen haben. Wenn man genauer hinschaut sind sie gar nicht so unförmig, denn
es sind schöne Kugeln mit ca. 20 cm Durchmesser.

Nach einen burmesischen Tankstopp mit Trichter und Benzinkanister biegen wir Richtung
Indein ab. Jetzt sind wir schon gespannt auf Indein, das Pagodentrümmerfeld etwas
landeinwärts. Zu erreichen über einen kleinen Flusslauf. Während der Fahrt sehen wir wie
sich etliche Büffel im Wasser erfrischen. Aber nicht nur Büffel baden genüsslich auch
Einheimische tun dies, allerdings in ihrer Badebekleidung. Weil sie kaum andere
Bekleidungsstücke außer Longhi tragen, warum sollte dies während des Badens anders sein.
Die Longhis der Frauen sind um eine Spur länger und lassen nur die Schultern frei.

Kurz nach der Anlegestelle werden wir von ein paar Einheimischen abgefangen und gefragt,
ob wir zu den Long-Neck-Women wollen. Natürlich wollen wir die berühmten, aber schwer
zugänglichen Frauen sehen. Die 2000 Kyat pro Person hätten uns eigentlich zu denken geben
müssen, aber wir waren einfach begeistert von der Idee ein tolles Foto mitzubringen. In einem
einfachen Raum sitzen an 2 Webstühlen insgesamt 4 Frauen mit Ihren Ringen um den Hals.
Die Frage ob wir fotografieren dürfen hätten wir uns sparen können. Die Frauen sind
Touristen gewöhnt und lassen es wortlos über sich ergehen. Alles in Allem kein großartiges
Erlebnis.

Der Bootsführer hat uns etwa 40 Min. Zeit gegeben um das Pagodentrümmerfeld zu
besichtigen. Wir sind schon ein wenig spät dran und die letzten Besucher. Die Stände auf dem
überdachten Walkway zum Buddha werden schon zusammengeräumt. Aber es ist wohl die
beste Zeit um die fantastische Stimmung im perfekten Sonnenuntergangslicht einzufangen.
Hunderte verfallene Stupas rund um die Pagode leuchten am späten Nachmittag richtig auf.
Ein Konzert, von vielen kleinen Glöckchen die sich noch auf den verrosteten Schirmen der
Stupas halten und im Wind bimmeln, begleitet uns. Bestimmt eines der Highlights, ein wenig
abseits der großen Touristenrouten. Obwohl tagsüber könnte schon einiges mehr los sein
wenn man die Anzahl der Verkaufsstände berücksichtigt. Wir haben glücklicherweise die
perfekte Tageszeit erwischt. Aus den 40 Min. wird weit mehr als eine Stunde.

Weil es am Heimweg liegt machen wir noch einen Abstecher in das jumping Cats Monastry.
Zufälligerweise bekommen wir sofort eine Demonstration zu sehen. Dressierte Katzen
springen durch kleine hochgehaltene Reifen wie Zirkuslöwen. Auch so eine mutierte
Attraktion.

Jetzt aber wirklich Gas und los. Der Bootsführer händigt uns wunderbar lächerlich Schirme
mit Blümchen aus mit denen wir uns gegen das Spritzwasser schützen können, das bei voller
Fahrt gegen den Wind immer wieder seitlich hereinschwappt. Die geplante Rückkehr um
16:00 Uhr haben wir nicht ganz geschafft. Der arme Fahrer hat uns bis 18:30 Uhr am Hals
gehabt.

Stromausfälle sind was ganz natürliches. Man ändert nur die Reihenfolge des Programmes.
Statt Internetten zuerst Abendessen. Aber da dafür Differenent Day, same procedure. Bis auf
Walters Bestellung bleibt alles gleich.
Danach die Vorbereitung für die morgige Trekkingtour. Der Wasserdruck erlaubt zu duschen.
Und lieber gleich als morgen ganz zeitig. Es war ein langer aber großartiger Tag.

Daten zum Tag:
Inlesee Bootsfahrt mit Abstecher nach Indein 12.000 Kyat
Inlesee Entrance Fee 3 U$ / Person.

 

 
eine Seite zurückeine Seite vor