Eine Reise durch's goldene Land
Ny Ny Wang
Mo 24.01. 2005 Weiter zum Inle See
 

Wieder 07:45 Uhr, wieder Aufstehen. Michael Pfeiffer bringt uns noch Kyat für Dollars im
Hotel vorbei. 1 U$ bringt 900 Kyat. Leider hat er nur für 250 U$ Kyat dabei. Walter und
Christian wechseln aus Zeitgründen an der Hotelrezeption und bekommen 880 Kyat für einen
Dollar.

Ab ins Taxi zum Flughafen. 3500 Kyat bezahlen wir nach kurzer Verhandlung dem
Taxifahrer. Der Flug nach Heho wird gegen 09:35 starten. Eine Stunde früher möchten wir
am Flughafen sein. Das gelingt ganz gut.
Angekommen, werden wir von den üblichen Kofferträgern überfallen. Unsere Fotorucksäcke
geben wir sowieso nicht aus der Hand. Das restliche Gepäck scheint für die zierlichen
Burmesen auch zu schwer. Wir tragen die Stücke selber zum Check In. Naja Check In steht
zwar drauf auch die Flugnummer stimm, aber ist es das wirklich? Kein Förderband, nur eine
große Waage davor und sonst nichts. Wir bekommen unsere Boardingkarten und sind schon
auf dem Weg zur Sicherheitskontrolle. Das Reisegepäck wird inzwischen von anderen
Trägern zu einem Kofferwagen gebracht, aufgeladen und zu einem Flieger am Rollfeld
geschoben. Der Röntgenapparat hat gerade eine so große Öffnung, daß unsere Rucksäcke
durchpassen. Sie hätten keinen Zentimeter breiter sein dürfen. Filmsave steht drauf, wer’s
glaubt.
In der exotisch interessanten Wartehalle sitzen wir ganz gemütlich und warten auf den Aufruf
von Air Mandalay Flug 6T531, als Christian wie von der Tarantel gestochen aufspringt und
zurück zur Sicherheitskontrolle rennt. Was ist los? Seinen Bauchgurt hat er dort liegen lassen.
Kein Problem in Myanmar, da kommt nix weg.

Der Flieger ist gut ausgebucht. Vorallem Engländer wollen nach Heho/Mandalay. Unsere
Fotorucksäcke haben keinen Platz in den Staufächern über den Sitzen. Also runter auf den
Boden und zwischen die Beine geklemmt.
Ein Sicherheits-Ouzo vor dem Ei-Sandwich und wir sind schon fast am Ziel. Die Landung ist
für Walter ein Erlebnis. Angeblich vollkommen entspannt aber doch mit versteinerter Miene
wartet er auf die Landung. Die Propellermaschine, eine ATR 72-210, setzt ein wenig schräg
auf aber ein kräftiger Ruck und alles ist wieder gerade. Holprig geht’s, Schnauze hoch auf der
buckligen Piste dahin. Bis alle Räder den Boden berühren, haben sich Walters Knöchel weiß
verfärbt. Seinen Blick streng geradeaus gerichtet und erst als das Flugzeug bewegungslos,
bereit zum Austeigen auf der Parkposition steht, kommt wieder Farbe und Lächeln in Walters
Gesichtszüge. Heho wir haben Festen Boden unter den Füßen.

Die Taschen werden uns auf dem kleinen Flughafen schnell ausgehändigt. Taxifahrer sind 
nicht in Sicht. Komisch, wo sind sie denn die guten Geiste, die man sonst fast nicht
abschütteln kann. Eine Reisegruppe, die von einem Reiseleiter abgeholt wird, hat leider
keinen freien Platz im Bus Sie sind zwar nach Nyaungshwe unterwegs, aber was hilft’s. Dann  
schaun wir mal raus auf den Parkplatz. Da warten sie schon. Einer, der die Oberaufsicht hat
und die Fahrten einteilt hat uns schnell gefunden. 15.000 Kyat kostet die Fahrt.

Nach kurzer Fahrt gibt es einen fliegenden Taxifahrerwechsel. Die Taxis behalten die
Richtung bei die Fahrer müssen zurück zum Start. Der Oberboss muss wohl wieder zum
Airport. Aber auch der Reservefahrer bringt uns auf der einspurigen Straße gut nach Nyaung
Shwe.
Es wird auf der Hinfahrt auch klar warum die Fortbewegungsgeschwindigkeit so gering ist.
Es sind nicht allein die schlechten Straßen allein, die die Durchschnittsgeschwindigkeit so
gering halten. Meist muss bei Gegenverkehr komplett angehalten und über das angrenzende
sandige Bankett ausgewichen werden. Auch Radfahrer und Ochsenkarren oder komisch
parkende Fahrzeuge bremsen den Fluß. Aber irgendwann kommt man immer an. Für die
knapp 40 km brauchen wir immerhin eine Stunde.

Unsere erste Adresse für ein Hotelzimmer ist das View Inn direkt am Kanal. Leider, aber bei
15 U$ für 3 Personen ausgebucht. Das View Inn wäre so ein typischer Teakholbau auf Stelzen
direkt im Wasser gewesen. Einfachste Bauweise, zentral aber sauber. Wirklich Schade.

Einem weiteren Tipp folgend landen wir letztendlich im Nanda Wunn Hotel. Doppelter
Preis, aber wirklich ein gutes Hotel. Die Zimmer ausgestattet mit Fernseher und Kühlschrank
sowie einer schönen Teakholmöbeln. Die Moskitonetze sind flott montiert und dann wollen
wir uns mal zu Hause melden.
Ein ganz verlotterter Laden mit 2 PC’s im hinteren Raum, bietet Internettservice an. Die
Verkabelung der PC’s und die morschen Wände dahinter stimmen nicht gerade
zuversichtlich. Der Zugang ist zwar langsam, aber www.lovecat.com lässt sich öffnen. Eine
knappe Stunde brauchen wir um 3 Mails für 3000 Kyat zu verschicken. Durchschnitt.

Eine Ecke weiter im Novelty Tour Service wird uns die typische Inle See Bottsrundfahrt um
12.000 Kyat für den ganzen Tag angeboten. Das Pagodentrümmerfeld von Indein sollte man
mitbuchen. Für unseren Verkäufer kein Problem. Er soll sich auch noch um die geplante
Trekkingtour nach Kakku kümmern. Ok, dann schauen wir später noch mal vorbei.

Auf dem Weg zum Kanal bleiben wir bei einer netten Burmesin hängen die uns eine
Sunsetbootsfahrt mit so einem Teakholzeinbaum durch die Kanäle rund um Nyaung Shwe
verkaufen möchte. Nach einigem hin und her – sollen wir oder sollen wir nicht – schlagen wir
zu. Ny Ny Wang überzeugt uns mit ihrem Charme und wir klettern in den wackeligen
Einbaum, der direkt neben ihrem Shop im Wasser liegt. Hoffentlich kentern wir in dem
kippeligen Boot nicht mit unseren schweren Rücksäcken. Und wer wird denn das Boot
rudern. Motor gibt es keinen und das zierliche Mädl wird mit uns nicht von der Stelle
kommen. Aber da haben wir uns getäuscht. Sie schnappt sich das Paddel, stellt sich Achtern
mit einem Fuß auf das Boot, umschlingt mit dem anderen Bein das Ruder und los geht’s. Das
erste hautnahe Einbeinruderer-Erlebnis ist gesichert.
Zuerst geht es Richtung großen Kanal, unter der Brücke durch, den Kanal ein Stück entlang
und dann ab ins kanaldurchzogene Hinterland. Wie in Venedig gondeln wir an vielen
Häusern, die auf Stelzen stehen und normalerweise einen höheren Wasserstand gewohnt sind,
sowie einem Kloster und kleineren Pagoden vorbei. Wir erhalten ein wenig Einblick über das
Leben am See wozu auch eine Menge spielender Kinder sowie die Besichtigung einer kleinen
Cheerot Fabrik gehört. Fabrik ist in diesem Zusammenhang maßlos übertrieben. Fabrik sagen
sie aber alle hier. In der kleinen Bambushütte sitzen 2 Frauen am Boden und rollen den
ganzen Tag lang Zigarren. Getrockneter Tabak wird eingearbeitet in ein grünes Blatt, dazu ein
Stück Filter. Etwa 1000 Zigarren müssen im Akkord über den Tag verteilt, hergestellt werden.
Der Lohn für diese eintönige Tätigkeit ist gering, sichert aber das Überleben.

Zur Monsunzeit gibt es weit mehr Wasser und der Pegel des Sees steigt etwa um einen Meter.
Das Sonnenuntergangslicht taucht die ganze Szenerie in goldene Farben und so können wir
von unserer Einbeinrudererin zum Schluß noch schöne Fotos machen.

Nach knapp 2 ½  Stunden ist die Bootsfahrt vorbei. Ny Ny Wang lädt uns in ihrem Laden
noch auf einen chinesischen Tee ein, den sie uns aus einer recht oft benutzten und bestimmt
nie gereinigten Kunststoffkanne serviert. Walter und Christian befürchten schlimmes. Ich
koste auch noch von dem angebotenem Zuckergebäck. Schmeckt irgendwie nach einer
Kombination aus Windbäckerei und Karamell. Das Aussehen möchte ich lieber nicht
kommentieren.
Und weil Tee entwässert, gibt es für mich das erste WC Erlebnis der etwas anderen Art. Im
kleinen Laden gibt es wohl keines, deshalb muß ich in das angrenzende Kloster. Ein Gang an
der Außenseite des Teakholzbaues endet in einer Sackgasse, am Ende nicht übersehbar eine
angelehnte Türe. Was sich dahinter verbirgt ist nicht zu leicht auszumachen, da es kein Licht
in diesem Teil des Klosterbereiches gibt und die Beleuchtung nicht so weit reicht. Dem
Geruch nach dürfte es aber genau das sein was ich gesucht habe. Langsam gewöhnen sich
meine Augen an die Dunkelheit und inmitten des niedrigen etwa 2 x 2 m kleine Raumes ist
am Boden eine Kunststoffwanne mit Ablauf montiert. Gut die kann man ganz gut treffen und
es beginnt zu plätschern. Aha da wird ein Seitenarm des Kanals seinem Namen gerecht. Das
beantwortet auch die zuvor aufgekommene Frage wohin mit den Würsteln.

Nach dem Sonnenuntergang ist es im ganzen Ort ziemlich finster. Generatoren sind
angelaufen um Restaurants und Hotels mit Strom zu versorgen. Aber sonst ist Kerzenlicht die
gewählte Beleuchtungsart. Auch im Smiling Moon einem Restaurant gleich in der Nähe
unseres Hotels haben wir diese romantische Beleuchtungsart. Gegessen wird fried rice mit
vegetables oder chicken um sagenhafte 1.500 kyat / Person.

Die Abend-Temperatur ist äußerst angenehm, man braucht sogar was Langärmliges. Keine
Spur von zu heiß. Das animiert natürlich um noch schnell auf ein Bier zu gehen. Christian
nutzt die Gelegenheit um ins Zimmer zu flüchten. Aber für Walter und mich wird es nicht
einfach zu einem Bier zu kommen. Der Ort ist komplett ausgestorben. Einzig ein Supermarkt
der wohl vergessen hat zuzusperren kommt uns in die Quere. Gegenüber ein paar
Straßenküchen die zusammenpacken und mich neugierig machen. Eigentlich wollte ich nur
schauen was es da so alles im Angebot gibt. Jetzt muß ich auch was kosten. Schmeckt nach
Tofu und fühlt sich schwabbelig an. Frisch herausgebacken ist es hoffentlich nicht gefährlich
für meinen Magen aber es ist wohl ganz gut, daß es so finster ist. Walter hat viel schneller
geschalten und schon im Vorfeld verweigert.
Die Sache mit dem Bier haben wir schon fast aufgeben als wir noch einen Laden entdecken,
der ein Stück weiter noch Licht hat. Der Besitzer erklärt uns stolz früher als Kellner gearbeitet
zu haben und jetzt der Besitzer dieses einfachen Restaurants zu sein. Seine Nächte verbringt
er auch hier. Zum Abschluß gibt es noch Reiscracker. Es sind wohl die, die wir Nachmittags
in dieser Gegend am Straßenrand zum Trocknen aufgelegt, schon gesehen haben. Jetzt wissen
wir was es war und außerdem sind die Cracker ganz lecker. Der angebotene Reislikör mundet
nicht so sehr.
Auf dem Nachhauseweg sind jetzt wirklich alle Tore und Türen versperrt. Kein Mensch mehr
auf der Straße und alle Generatoren abgestellt.

Daten zum Tag:
Taxifahrt Yangon: Hotel Panorama zum Flughafen 3500 Kyat
Flug Yangon-Heho mit Air Mandalay: 101 U$ / Person
Taxifahrt Heho-Nyaung Shwe: 15.000 Kyat
Bootsfahrt mit Ny Ny Wang 2.500 Kyat.
30 Min. Internet für 1500 Kyat
Wechselkurs: bei Michael 1 U$ = 900 Kyat, an der HotelReze 1 U$ = 880 Kyat

 
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